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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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an­

bannerwache auf unseren Marinesturm- Kameraden Brüggmann", antwortet Wachtmeister König. ,, Nun weiß ich nicht, ob sie ihn kannten, oder ob sie ihn nur wegen seiner Uniform rempelten, jedenfalls rief der Leber dem Reichsbannermann zu: Stich ihn nieder!' Und der Strolch stach ihm auch direkt ins Herz."

Was hat Koltwitz damit zu tun gehabt?"

,, Mit dem Mord selbst eigentlich nichts!" meint König. ,, Aber soviel ich verstanden habe, war er zu der Zeit Redakteur der Sozizeitung na, und die haben doch wüst gegen uns gehetzt."

-

,, Der ist bald fertig!"

,, Sie sollten es kürzer machen, nicht diese Quälereien. Sonst kann der Jude meinetwegen krepieren!"

Bis gegen Mitternacht haben Torsten und Kreibel schlaflos auf ihren Pritschen gelegen. Die Ereignisse an diesem Oktober­sonntag hatten sie viel zu sehr aufgeregt, als daß sie das be­sprochene Programm hätten durchführen können. Am nächsten Morgen erfährt Torsten durch einen- Kalfaktor, der den Keller ausfegt, der angeschossene Gefangene sei ein Barmbecker Jung­kommunist gewesen. Er ist im Keller verblutet. Der Gefangene über ihm, den sie so mißhandelten, sei der Sozialdemokrat Dr. Koltwitz.

Torsten fragt flüsternd durch die Zellentür, warum der Jung­kommunist angeschossen wurde.

,, Er hat aus dem Fenster gesehen."

Torsten fragt, ob noch weitere Sozialdemokraten im Lager seien. ,, Etwa zehn", lautet die Antwort...

Torsten kennt Koltwitz nicht, hat nie von ihm gehört; er ist ein politischer Gegner, einer von denen, die seiner Meinung nach durch ihre Politik tatkräftig zur Errichtung des Dritten Reiches

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