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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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Meisel lehnt seine Peitsche an die Zellenwand und holt den

Lübecker Generalanzeiger hervor.:

Kennst du Dr. Leber?"

Jawohl!

Weißt du, daß der unseren Kameraden Brüggmann durch das

Reichsbanner erstechen ließ?

Jawohl!

Weißt du, daß du durch deine Hetze in der Zeitung an diesem Mord mitschuldig bist?

Nicht schlagen, meine Herren! Bitte nicht schlagen!

Antworte auf meine Frage, Kerl!" Meisel blickt mit ab-

gründiger Verachtung auf sein Opfer.

Ich...ich... habe diese Tat verurteilt!

Du hast diese Tat verursacht gerade du Hetzer! Du

kannst dich auf allerlei gefaßt machen. Von dir lassen wir nicht

mehr ab!

Nicht schlagen, Herr Wachtmeister!... Ich habe eine Bein-

verletzung. Kann mein Bein nicht bewegen... Nicht schlagen!

Bitte nicht schlagen!"

Teutsch nimmt das Handtuch, das er mitbrachte, und feuchtet

es unterm Wasserhahn an. Er drückt es Nußbeck in die Hand,

der enttäuscht ist, nicht mitschlagen zu dürfen.

Nicht schlagen, Herr Wachtmeister... Nicht schlagen...

Willst du Hund ruhig sein?

Ja! Ja! Aber nicht schlagen! Nicht schlagen!

Bück dich! kommandiert Meisel und greift nach der Peitsche.

Los! Bück dich!

Oh, oh, mein Bein!"

Koltwitz bückt sich.

Nußbeck wickelt Koltwitz das nasse Handtuch um den Mund

und drückt den Kopf nach unten. Meisel und Teutsch schlagen

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