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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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Güte, damit jagen wir der Kommune keinen Schrecken ein. Wir haben unser Lager eingerichtet und als Wachtmannschaft den SS-Marinesturm gewählt, weil wir endlich mit der nötigen Rück- sichtslosigkeit durchgreifen müssen. Wenn das nicht anders wird, werden noch Sondermaßnahmen nötig sein.

Sturmführer Dusenschön ist vollkommen überrascht. Alles andere hat er erwartet, das nicht. Dem Kommandanten ist die Behandlung der Gefangenen zu human?

Er hat Dunkelzellen einrichten lassen, Strafexerzieren, hat zwei

_ Zellen zum Prügeln reserviert, hat stets beide Augen zugedrückt,

wenn Gefangene fertiggemacht wurden. Er findet, den Vor- wurf der Humanität hat er nicht verdient.

Um auf die Vorhaltungen des Kommandanten etwas zu er- widern, erwähnt er, daß leider nicht für alle elfhundert Ge- fangenen Arbeit vorhanden sei. Hundertzwanzig arbeiteten am Abbruch, sechzig auf den Höfen, zirka achtzig Einzelhäftlinge zupften Werg aber der größte Teil, über achthundert, seien ohne jede Beschäftigung.

Das macht gar nichts. Beschäftigungslosigkeit wirkt strafver- schärfend. Denken Sie nur an die vielen Bittgesuche um Arbeit. Im Gegenteil! Besonders die Einzelhäftlinge unbeschäftigt lassen. Ich denke, wir werden die Zupferei auf die Säle verlegen. Aber über die Einzelheiten später....

Kommandant Ellernhusen erhebt sich, bleibt dann aber am Schreibtisch stehen und blickt verträumt zum Fenster hinaus, auf den Vorplatz des Gefängnishofes.

Und den Riedel... den nehmen Sie in die Schreibstube. Das wird auch den Meisel zufriedenstellen. Erledigen Sie das; sprechen Sie mit beiden. Aber kommt es noch einmal zu einer Schlägerei, geht es für die Beteiligten nicht so glimpflich ab!" Sturmführer Dusenschön verläßt seinen Kommandanten zum

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