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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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Der Riedel scheint für den Stationsdienst ungeeignet. Nur keine Humanitätsduselei aufkommen lassen. Das fehlte gerade. Da müssen wir rasch durchgreifen. Was schlagen Sie vor, Sturm- führer? Dusenschön ist betroffen, er hat eine andere Wirkung seiner Ausführungen erwartet. Jetzt erwidert er nachdenklich:Ja ja... das ist wohl wahr... Sonst ist der Riedel aber gar nicht so... Ich verstehe das selber nicht... Aber, wenn Herr Kommandant meinen, so könnte man ihn in der Schreibstube beschäftigen! Vielleicht auch zur Ordonnanz kommandieren... Oder... na ja, das wären so meine Vorschläge!

Ein für allemal, Sturmführer, keine falsche Humanität einreißen lassen. Keine Unterhaltungen mit Gefangenen dulden. Min- destens alle vier Wochen die Stationswachtmeister wechseln. So, wie wir es besprochen hatten. Der Zeitpunkt, die Zügel zu lockern, ist noch nicht da. Das Lager ist kein Gefängnis und auch kein Zuchthaus; das Lager hat seine besonderen Aufgaben zu er- füllen. Ich wiederhole: es soll jedem Staatsfeind Furcht und Grauen einflößen. Wer einmal drin war, soll bis an sein Lebens- ende mit Angst und Schrecken an diese Zeit zurückdenken! Wir können diese notorischen Staatsverbrecher nicht überzeugen an dieser Auffassung scheiterten unsere Vorgänger wir müssen sie einschüchtern, so einschüchtern, daß sie niemals wieder ihre Hand gegen den Staat zu erheben wagen. Bei uns ist es überhaupt besonders flau. Das kommt davon, wenn man solche Auffassungen wie die des Riedel nicht ausmerzt. Sehen Sie Dachau . Dort wird fast ein um den andern Tag einer auf der Flucht erschossen. Und der Erfolg? Die Staatsfeinde in Süd- deutschland zittern beim Namen Dachau . Oder Oranienburg ! Aber bei uns? Bis in den August hinein war die Schutzhaft das reinste Sanatorium. Pakete über Pakete. Besuch. Sport. Ja, meine

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