Der Sturmführer ist zum Lagerkommandanten beordert worden. Kommandant Ellernhusen sieht in seinem Sturmführer einen: willigen, zuverlässigen und rücksichtslosen Soldaten, der sich bei seinen Untergebenen mit der nötigen Brutalität Autorität zu verschaffen weiß. Dusenschön wiederum verehrt den Komman- danten, da er ihn als einen mutigen Soldaten kennengelernt hat. Und das ist der einzige Wertmesser, den Dusenschön bei einem Manne gelten läßt. Hinzu kommt, daß der Kommandant nach Herkunft und Schulbildung dem Sturmführer weit überlegen ist. Ellernhusen ist ja auch nicht nur Lagerkommandant, er ist gleichzeitig Standartenführer der SA und hamburgischer Staats- rat. Dusenschöns Vorgesetzter ist also ein Mann, dessen” Wort wiegt und dessen Fürsprache die beste Karriere bedeutet.
Es kommt selten vor, daß der Lagerkommandant den Sturm- führer außer der Zeit kommen läßt. Unruhig und erwartungsvoll — was mag er wollen?— betritt Dusenschön das Zimmer des Kommandanten.
„Heil Hitler!— Sturmführer, ich ließ Sie kommen, weil ich Ihren Rat brauche. Sie kennen die Beschwerde des Obertrupp- führers Meisel gegen den Scharführer Riedel. Mir scheint, Meisel hat in der Sache recht, man kann nicht durchgehen lassen, daß einer dem andern Feigheit und ähnliche Sauereien vorwirft. Beide sind gute Soldaten. Wir müssen die Sache bereinigen. Was meinen Sie?”
Dusenschön überlegt. Riedel ist sein persönlicher Freund; aber das Recht ist auf seiten des Obertruppführers. Er erklärt dem Kommandanten die Zusammenhänge und erzählt von dem Kriegsinvaliden Nagel, den Selbstvorwürfen Riedels, den Provo- kationen Meisels und der anschließenden Schlägerei.
„Hin!“ macht Ellernhusen.„Das gefällt mir ganz und gar nicht!
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