Noske, Zörgiebel und Schönfelder nie zimperlich, dann gab's gleich blaue Bohnen, dann mußte der erste Tag blutig sein, wie Hörsing sagte. Und das soll Arbeiterpolitik gewesen sein?... Nee, mein Lieber, von dem Augenblick an, von dem euer Ebert Hindenburg und die Generäle gegen Spartakus holte, bis zu dem Augenblick, wo Hindenburg und die Generäle Hitler gegen die ganze Arbeiterklasse holten, geht ein gerader Weg: der Weg der Sozialdemokratie, der Weg der Koalition und des kleineren Übels, der Weg zum Faschismus. Daß wir heute mit zerschundenen Knochen hier liegen, daß Hunderte, Tausende der besten Genossen ermordet wurden und noch ermordet werden, das hätte vermieden werden können!"
Der Sozialdemokrat blickt sich erstaunt um, alle stürmen auf ihn ein, Alte und Junge, Ruhige und Hitzige. Er sieht sich hoffnungslos isoliert, fühlt sich unverstanden und sucht nach einem Abschluß der Debatte. ,, Wir wollen uns doch nicht die Köpfe heiß reden; wir können doch in aller Ruhe die strittigen Fragen klären. Wir haben doch wirklich Zeit genug dazu. Und dann immer das, was gewesen ist. Ich finde, wer an den Sieg der Arbeiter glaubt, der sollte in die Zukunft blicken, vorwärts und nicht rückwärts. Das ewige Herumnörgeln am Gewesenen bringt uns keinen Schritt weiter. Ich denke, wir wollen weiter, wir wollen den Faschismus besiegen, wir wollen, daß der Arbeiter regiert!"
Schon hat sich Welsen die Antwort zurechtgelegt, doch gerade, wie er beginnt, öffnet sich blitzschnell die Tür. Dusenschön und Zirbes treten in den Saal.
Welsen meldet: ,, A 1, Saal 2, belegt mit neununddreißig Mann, ein Bett frei!"
, Was habt ihr soeben geredet? Antworte! Aber laß das Lügen, das rate ich dir!"
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