verhalf ihm dafür zu sechs Monaten Gefängnis... Sechs Monate für ein Lied der Arbeiter...:
Schneemann ist nach dieser Rede und dem folgenden, drücken- den Schweigen noch unruhiger geworden, fährt sich mit der flachen Hand zum wiederholten Male über das hochstehende Haar, zwingt sich, wie er nun zu reden beginnt, zu einem tiefen, ernsten Ton.
„Manches... manches ist durchaus richtig. Meine Partei hat Fehler gemacht, große Fehler. Sie hat auch diese Fehler selber teuer bezahlen müssen. Also zugegeben die Fehler der Ver- gangenheit. Doch glaubt mir, wir haben gelernt. Diese Fehler werden bestimmt nicht wiederholt. Wenn wir Sozialdemokraten nun für die Demokratie kämpfen, meinen wir eine andere, als wir hatten, nämlich eine wehrhafte, starke Demokratie. Ist es nun notwendig, daß wir immer wieder in der Vergangenheit nach Sünden und Fehlern kramen, wäre es nicht richtiger, wir würden Vergangenheit Vergangenheit sein lassen und mit gemeinsamer, geschlossener Kraft den Faschismus bekämpfen? In diesem Ziel sind wir uns doch einig, also laßt uns nach Wegen und Möglich- keiten suchen, es so schnell wie möglich zu erreichen. Der Fa- schismus wird ewig triumphieren, wenn wir, SPD und KPD , wie in der Vergangenheit, weiter blindlings aufeinander rumhacken!” „Da hat er wirklich recht!” bekräftigt Miesicke seinen neuen Freund.
„Der recht?” springt einer erregt auf.„Alles fauler Zauber!” „Nachtigall, ik hör dir schlagen!“ ruft ein anderer.
„Wehrhafte Demokratie?” schreit Kesselklein.„Mensch, bei dir piept’s wohl?”
„Wehrhaft war die Weimarer Demokratie , ja!” fällt der alte Dietsch dem Seemann ins Wort.„Aber nur gegen die Arbeiter- klasse. Wenn es gegen die Arbeiter ging, dann waren die Herren
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