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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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Die Gefangenen horchen auf. Stubenältester Welsen kommt: ,, Was ist los, Fiete?"

,, Ochwat, de Sozi stänkert. He mokt sik daröber lustig, dat wi em Sozialfaschist nannt hefft!"

Ich würde dir empfehlen, mit deinen Bemerkungen vorsichtiger zu sein. Wenn du dich mit uns politisch unterhalten willst, brauchst du dich nur zu melden. Du bist zwar Schneemann und nicht irgendein x- beliebiger SPD - Arbeiter, aber bilde dir nur nicht ein, daß wir dich schneiden, weil wir Furcht vor deiner Redegewalt, haben."

,, Ich bin eingesperrt wie ihr, bin auf dem KzbV mißhandelt wor­den wie jeder von euch, die SPD ist verboten, wird verfolgt und unterdrückt wie die KPD , und ihr nennt uns Faschisten, Sozial­faschisten. Ist das nicht Irrsinn?"

,, Na, wollen wir uns mal darüber unterhalten, ob es so irr­sinnig war, wenn wir die Politik deiner Partei sozialfaschistisch nannten!"

Die Gefangenen rücken um die beiden zusammen. Die Schach­spiele stehen verlassen auf den Tischen. Die Unruhigen, Rast­losen haben ihr Hin- und Herlaufen unterbrochen. Es ist still geworden im Saal.

Welsen spricht nicht nur zu dem Sozialdemokraten, nicht nur zu Miesicke, er spricht zu allen, auch zu seinen Genossen. Ruhig spricht er, die Stimme gedämpft. Und während seiner Ausfüh­rungen sieht er in die Gesichter. Einige nicken zustimmend, andere sehen starr gerade vor sich hin, als erlebten sie noch ein­mal alles mit, an das Welsen erinnert. Der Sozialdemokrat, der erst ruhig und überlegen dasaß, rutscht gegen Ende der Aus­führungen Welsens nervös auf seinem Sitz, hebt des öfteren die Hand, als hätte er einen Einwand vorzubringen, und kann an­scheinend den Augenblick seiner Entgegnung nicht abwarten.

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