den Tischen und der Tür gehen diskutierende Gruppen auf und ab.
Nach knapp einer Stunde kommen Dusenschön und Zirbes. Sofort sehen sie, daß der SPD - Mann unbehelligt blieb.
,, Sieh mal einer an!" höhnt mit kaum verhehlter Wut der Sturmführer. ,, Kommune und SPD ein Herz und eine Liebe! Und da behaupten die Kerle, die SPD sei ihr Feind! Ihr wollt also Na gut! Stubenältester, lassen Sie in zwei Gliedern an
nicht? treten!"
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,, In zwei Gliedern angetreten, marsch- marsch!"
In wenigen Sekunden stehen die neununddreißig Gefangenen angetreten vor dem Sturmführer.
,, Jetzt woll'n wir euch mal ein bißchen die Eier schleifen!" Im Gleichschritt geht es den Korridor entlang auf den Hof hinaus; dann tobt der Sturmführer seine Wut an sämtlichen neununddreißig Gefangenen aus. Er jagt sie um den Hof, läßt sie sich hinwerfen, aufstehen, hinwerfen, aufstehen, Kniebeuge, Liegestütze machen, um den Hof hüpfen, auf dem Bauch kriechen, wieder um den Hof rennen, wieder hinlegen, aufstehen, hinlegen, aufstehen, bis er heiser ist und die Gefangenen erschöpft, kraftlos und wie von Sinnen umhertaumeln.
Zwei Tage gehen die Gefangenen nun schon mit unterdrückter Wut und Verbitterung um den Sozialdemokraten Schneemann herum. Er wird in keiner Weise benachteiligt, aber jeder meidet ihn, keiner beginnt ein Gespräch mit ihm, keiner fordert ihn zum Karten- oder Schachspiel auf. Miesicke kann das auf die Dauer nicht ertragen; der kleine, rundliche Mann tut ihm leid. Für das Verhalten der Kommunisten hat er kein Verständnis. Wenn sie auch draußen Gegner gewesen sein mochten, hier, in der Gewalt
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