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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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10. NOVEMBER 1943

Der evangelische Gefängnisgeistliche, Pastor Eske, berichtet über die Vollstreckung des Todesurteils: 10. Nov. 1943 15 Min. vor 6 Uhr abends. Um 6 Uhr sollen die 4 Lübecker Geistlichen hin­gerichtet werden. Da es in dieser Anstalt das erstemal ist, daß Geistliche auf dem Schafott sterben, achten die kirchenfeindlichen Beamten ganz besonders darauf, wie ,, diese Pfaffen", die auf der Kanzel ja so leicht schöne Worte finden, in den Tod gehen werden. Wird ihr Glaube stark genug sein, diese letzten schweren 15 Minuten ihres Lebens aufrecht zu bestehen, oder werden sie nicht doch jammern und wehleidig werden? Im Kellergeschoß sind die 4 Todeszellen neben­einander. Da ist zuerst der Kaplan Prassek. Er kniet vor dem Kruzifix. Als er sich vom Gebet erhoben hat, reichen wir uns zum Abschied die Hände im festen Druck. Er, der so gern lachte, hat jetzt das Leuchten einer anderen Welt in den Augen. Er bittet, den andern seine letzten Grüße zu überbringen.

Kaplan Müllers Augen sind ganz still und tief, als wir uns voneinander verabschieden. Kaplan Lange trägt mir beim Verlassen der Zelle einen besonders herzlichen Gruß an Pastor Stellbrink, mit dem er die letzten Monate die Zelle geteilt hat, auf.

In der Todeszelle sitzt Pastor Stellbrink am Tisch und erzählt mit glänzenden Augen von den schönen Jahren in Brasilien , von seiner Familie, von seiner Tätigkeit im geistlichen Amt.

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