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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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erschrak ich nicht vor seinem Aussehen. Eine tiefe Ruhe senkte sich, von ihm ausgehend, in mein

Herz, vermischt mit ehrfürchtigem Staunen und

Wundern. Während ich erzählte, ruhten meines Vaters Augen mit warmem Glanz auf mir, so daß sein Blick ganz allmählich die Eisesstarre der Not und Angst um ihn zum Schmelzen brachte und zum ersten Male wieder nach langer Zeit Tränen der Erlösung und Entspannung hervorriefen. Immer wieder betrachtete er mein Bild, das ich ihm zum Geburtstag geschenkt hatte, und Stolz klang aus seinen Worten, mit denen er meine Mutter zu trösten versuchte:Wie eine Mauer müßt ihr um eure Mutter stehen und sie schützen und lieb haben, wenn ich nicht mehr sein werde. Im Geiste aber bin ich immer bei euch, bitte für euch bei meinem Vater, blicke auf euch herab und sehe euch allezeit.

Es gibt keine Trennung, ein ewiges, heiliges Band umschlingt uns alle. Die Tränen versiegten, und als ich meinem Vater ins Gesicht schaute, blendete mich beinahe das verhaltene aber sieghafte Leuchten in seinen Augen, und mir war, als sähe ich durch sie den Anfang der Ewigkeit. Alles Fragen nach dem unergründlichenWarum ver- stummte, und nur noch eines erfüllte mich ganz: Die Größe der Stunde.

Ich mußte der unendlich schönen Worte meines Lieblingsdichters Walter Flex gedenken:

Nicht, daß ich's in jener Stunde klar

empfunden hätte, aber als Keim senkte es sich

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