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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
Entstehung
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auf ein glückliches Ende, bis Gott uns auch die letzte Hoffnung nahm mit dem 10. November 1943, dem Tage seiner Hinrichtung.

Erschütternd waren für uns Kinder die Besuche im Gefängnis. Nur einer von uns durfte immer mitkommen. Ich denke an meinen ersten Besuch im Lauerhof zu Lübeck .

Langes Warten vorher mit klopfendem Herzen und bitterer Wiedersehensfreude. Dann endlich war es so weit. Man führte uns durch lange Gänge. Dumpfe, modrige Kerkerluft schlug uns entgegen. Schaurig überlief es mich, ein eiskalter Ring legte sich um meine Brust, fest und immer fester wer- dend. Hier mußte mein Vater leben! Mein Vater, dieser freiheitsdürstende, lichthungrige Mensch! Kerkerluft atmen, sich sehnen nach Sonne hinter Gittern, in einer winzigen Zelle von 2 zu 3 Metern, allein, Tag und Nacht preis- gegeben der zermürbenden Macht und Gewalt der Gedanken, die sich doch in übermenschlicher Sehn- sucht und Raserei verlieren mußten! Und dann sah ich ihn im dunklen Gang. Der Schein seines bleichen Gesichtes durchdrang das Dunkel, seine Augen blitzten sekundenlang auf vor Freude, uns zu sehen nach der langen Trennungszeit in ein- samer Verlassenheit. Aber wie erschrak ich über sein Aussehen! Elend, bleich, abgemagert und ver- härmt, mit geschwollenen Augenlidern und tiefen, schwarzen Schatten darunter. Das Leid hatte an ihm gefressen und fraß weiter, unbarmherzig seine Beute fordernd. Nicht das äußere Leid vernichtete

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