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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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wachen Nerven sprach er von der Kanzel zu den

Menschen, die sich trotz dieser Nacht im Gottes- hause eingefunden hatten und wies sie auf Gott hin, der in mächtiger Sprache zu uns Menschen geredet hatte. Wie ein Lauffeuer aber verbreitete sich das WortGottesgericht'' und wurde der An- laß zur Gefangennahme meines Vaters. Er selbst

hatte das WortGottesgericht nicht ausge-

sprochen, wie er uns später sagte, jedoch die Menge faßte den Sinn seiner Rede in diesem einen Worte zusammen und trug es fort von Mensch zu Mensch. Noch ehe es aber zu uns selber drang, war über uns das Unglück bereits hereingebrochen.

Meiner Mutter drohten die Knie zu versagen und das Herz stillzustehen, als sie das gefürchtete und verhaßte WortGestapo hörte und gleich- zeitig die Verkündigung, daß man ihren Mann ab- holen wolle. Es war dies am Karfreitag, mein Vater

lag mit hoher Temperatur zu Bett; die Reaktion von jener Nacht vom 28. zum 29. März war nicht ausgeblieben. Kaum aber genesen, trieb ihn innere Unruhe und ein schuldlos-reines Gewissen in die Hände der Gestapoleute, um sich Klarheit zu ver- schaffen. Da ward ihm grausamste Gewißheit!

Lange noch saßen wir am 7. April mit bangen, ahnungsschweren Herzen vorm Fenster und war- teten auf unseres Vaters Rückkehr, jedoch ver- geblich. Es wurde Nacht und wieder Tag. Er kehrte nicht heim. Es war gut, daß wir damals noch nicht wußten, wie lange wir so auf ihn warten. sollten, immer noch Hoffnung im Herzen tragend

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