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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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MEIN VATER

Gisela, die Tochter des Märtyrers der Wahrheit, setzt ihrem Vater mit folgenden Worten ein schönes Denkmal:

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Lübeck , den 14. April 1946

Heute, am Sonntag Palmarum, genau vor 4 Jahren, begann der Leidensweg meines Vaters. Nur fiel der Sonntag damals nicht in den April, sondern man schrieb den 29. März 1942. Das, was nun schon jahrelang hinter mir liegt, stand plötzlich heute morgen wieder klar und frisch vor meinem inneren Auge, als ich erwachte von einem Traum, in dem mir mein Vater erschienen war. Mir war, als müsse ich seiner heute besonders gedenken. Eine Schreckensnacht lag damals hinter uns, die ich nie vergessen werde, besonders, da sie mich in ein neues Lebensjahr hineinführte. Ich sah den Morgen aufdämmern aus Dunst, Rauch und Asche; noch brannte unsere Stadt, unser geliebtes, schönes Lübeck . Mein Vater war stark und ruhig geblieben die ganze Nacht hindurch, Der Schein des Feuers hatte sich wiedergespiegelt in seinen entschlos­senen und zuversichtlich blickenden Augen. Als unser Nachbarhaus lichterloh brannte, sprang er hinein und entriß den Flammen das, wonach die jammernden Menschen schrien, ihr Hab und Gut. Ich weiß noch, daß alle ihn um seines großen Mutes willen bewunderten. Am andern Morgen segnete er seine Konfirmanden ein. Übernächtigt, aufge­wühlt von dem erschütternden Erleben, mit über­

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