Scherze zu sagen pflegte, und versuchte, ihm den Traum aus dem Kopfe zu schlagen. Daß er so alt werden wollte, war auf seinen großen Lebens- und Arbeitsdrang und seine große Lebensfreude sowie auf seine völlige organische Gesundheit und sein kräftiges Herz zurückzuführen.
Karl Friedrich Stellbrink war ein Mensch mit weiter, tiefer Schau des Lebens und der Dinge und ahnender Seele. Obwohl kein eigentlicher Akade- miker, war er doch ein Mann von hoher Bildung und Kultur, voll sprühendem Geist und von reichem Wissen und vielen Amtsbrüdern mit akademischem Studium geistig weit überlegen. Wenn wir in meinem Landpfarrhaus oder bei ihm gemütlich bei- sammen saßen, erzählte er so gern aus der Zeit, als er den Siedlern in Brasilien diente. Diese Zeit ließ ihn reiche Lebenserfahrungen sammeln. Er sehnte sich oft zurück nach der Sonne und der Freiheit jenes gesegneten Landes, nach der Unge- bundenheit des dortigen Lebens und Schaffens, nach der Größe und Weite des Raumes, der ihm dort für seine Wirksamkeit offenstand. Denn nichts war ihm verhaßter, als die Beschneidung der Freiheit in Wort und Tat, wie sie im Dritten Reich je länger desto mehr geschah und sich schließ- lich auswuchs zu einer Tyrannei des Geistes und zu einer Knechtschaft der Seelen, wie sie raffi- nierter und widerwärtiger kaum denkbar war, Er gehörte auch nicht zu jenen Pflarrern, die es darauf absehen, sich bei Gemeinde und Kirchenbehörde beliebt zu machen, jedermann freundlich und
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