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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
Entstehung
Seite
65
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fängnis. Es ist ihm nicht leicht geworden, sich von seiner geliebten Seelsorgsarbeit zu trennen, wie wir aus einem Briefe entnehmen, den er kurz vor seiner Verhaftung geschrieben hat:

Lübeck , den 19. Juni 1942 Herzliche Grüße aus Lübeck !

Heute muß ich Ihnen etwas weniger Schönes schreiben,

Wie Sie schon erfahren haben, ist unser Kaplan seit drei Wochen verhaftet und unser Vikar seit Montag. Da auch ich wohl damit rechnen muß als

dritter Geistlicher, habe ich noch verschiedene An-

liegen. Zuerst danke ich Ihnen noch einmal von ganzem Herzen für alles Gute und Ihre treue Hilfe während der ganzen Jahre.

{ Mit Freude und Liebe habe ich als Priester hier in ) Lübeck gearbeitet, und ich muß mich mit Gewalt zusammenreißen, wenn ich daran denke, daß es mit dieser Arbeit aus sein soll, Und.ich danke dem Herrgott, daß ich so manchem Jungen während seiner schwersten Jahre helfen konnte. Sollte der Herrgott jetzt etwas anderes von mir verlangen, so wird er mir auch die Gnade geben, das durch- zuhalten. Sie werden es ja irgendwie erfahren, wenn ich auch nicht mehr hier bin. Dann vergessen Sie mich bitte nicht!

Beten Sie für mich und auch Ihre Mitschwestern und teilen Sie bitte dann alles meinen Geschwistern

mit. Von dem Brief machen Sie bitte vorher noch & keinen Gebrauch...

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