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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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Bildhauer Gott , schlag zu!? Ach ja: Wir können nur ganz bescheiden um den großen Vorzug bitten, daß wir es vielleicht nach langer Zeit und, nach- dem Er mit hartem Meißel manche Linie jenes Bildes, das Er von uns in sich trägt, herausgear- beitet hat, einmal sagen können. Noch aber können wir es nicht. Sonst wären wir ja jetzt schon froh darüber, wenn Er es zuläßt, daß die Menschen uns wehe tun!

Haben Sie keine Bange. Es geht nicht in Riesen- sprüngen bergauf, und wenn es stürmt, ist es schon eine Leistung, die Stellung gehalten zu haben. Am 6. Jan. 1943 schreibt er aus Anlaß eines Todes- falles einen Trostbrief, in dem er Worte findet, deren Wahrheit wir nun, da die Blutzeugen im Himmel sind, an uns erfahren: Die Toten sind uns nicht fern, sie helfen uns jetzt mehr als zu ihren

Lebzeiten. 6. Januar 1943

22. Wenn ich Ihnen heute schreibe, dann deshalb, weil Ihre liebe Mutter nun tot ist. Ich fand die Nachricht heute in der Zeitung.

Sie werden von mir am wenigsten eine Trauerrede erwarten, Gewiß, Sie haben Ihre Mutter lieb ge- habt, gerade deswegen haben Sie sie trotz eigener Bedrängnis bis zur letzten Stunde hin umsorgt, ge- rade darum wird Ihnen jetzt der Abschied beson- ders weh tun, Aber Sie wissen ja auch, daß das mit dem Abschied noch nicht alles ist, Für uns als Christen beginnt das Leben ja erst mit dem Ster- ben, und deshalb liegt für uns über jedes christ-

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