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Wo seine Zeugen sterben, ist sein Reich : Briefe der enthaupteten Lübecker Geistlichen und Berichte von Augenzeugen / zsgest. von Josef Schäfer
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JOHANNES PRASSEK

Die drei Kapläne, die alle im selben Pfarrhause wohnten, waren ein Herz und eine Seele. Aber als Führer galt doch Johannes Prassek . Am 13. August 1911 in Hamburg geboren, wurde er am 13. März 1937 zum Priester geweiht und kam im Jahre 1939 als Kaplan nach Lübeck . Hier war er wegen seiner Hilfsbereitschaft und seiner son­nigen Art bald allgemein beliebt. Überall, wo er auftauchte, erheiterte er mit seinem Witz und seinem Humor die gedrückten Menschen. Sein Bestreben, allen alles zu werden, brachte ihm wohl manche Schwierigkeit ein, aber er ging aufrecht seinen Weg. Es hat Stimmen gegeben, die ihm manchmal Unklugheit vorwarfen. Aber wer ver­mag die genaue Grenzlinie der Tugenden anzu­geben? Die Klugheit ist gewiß eine Tugend, aber wer wüßte nicht, daß übertriebene Klugheit be­denklich in die Nähe der Feigheit rückt und allzu große Vorsicht viel Gutes ungetan läßt. Feig ist Johannes Prassek nicht gewesen. Seine mutige Offenheit und seine witzige Art gewannen ihm die Herzen, zumal der jungen Menschen.

Die wenigsten ahnten, eine wie tiefe Innerlich­keit sich hinter seinem Wesen verbarg. Zum Kern seiner Persönlichkeit führen uns die Briefe, die er

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