Jahrgang 
1894
Seite
299
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Nr. 31. b

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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 299

schieden. Ich möchte nun erst eins wollen, nämlich, dass die ZeitschriftLux eine Preisfrage ausschriebe, nicht für die beste Definition der Photographie, noch für die eines photographischen Apparates, sondern für die beste Definition des

unter dem Namen»Amateurphotograph bekannten Phänomens der letzten Jahre.

Dieses Naturwunder, der Feind der Fachphotographen, giebt je länger je mehr Beweise seiner Allgegenwärtigkeit. Wir wollen nunmehr zu prüfen ver- suchen, wodurch er sich von den gewöhnlichen Sterblichen unterscheidet.

Sobald sich etwas Aussergewöhnliches im Wettstreite, in Eisenbahnunglücks- fällen, Ueberschwemmungen, Bränden u. dgl. ereignet, kommen sie in grosser Zahl mit Cameras, Dreifüssen, Rahmen, Cassetten, Objectiven, Verschlüssen, Tüchern, kurzum mit allen nöthigen und unnöthigen Sachen bewaffnet zum Vor- schein, machen sich gegenseitig den besten Platz streitig, machen eine grosse Anzahl Aufnahmen(um die Aussicht zu haben, dass eine gute darunter ist) und hasten nach Hause, wo sie aber leider oft die traurige Entdeckung machen, dass ihre Mühe umsonst gewesen ist.

Natürlicherweise liegt die Schuld niemals am Photographen; das Licht hatte viel verdorben(wie kürzlich Jemand sehr richtig bemerkte), die Platten taugten nichts, der Verschluss war defect, der Rahmen war undicht, die Dunkel- kammer nicht lichtdicht oder eine andere nicht immer ebenso stichhaltige von den tausend Ursachen bewirkte die Photographie.

Haben sie zufällig irgendetwas Schönes zu Stande gebracht, dann müssen Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Freunde und Bekannte das Wunderproduct in Augenschein nehmen. Jeder Einzelne ist entzückt. Jeder will durch den geschickten Amateur verewigt werden.

Zuerst sind seineVerewigungen im höchsten Grade erbärmlich und ver- bleichen rasch. Dies Alles liegt natürlich an der Linse. Allmählich werden seine Erzeugnisse ansehbar, endlich selbst leidlich, dann hat der Amateur seinen Gipfelpunkt erreicht. Gleichen Schritt mit der Verbesserung der Photos hält die Vermehrung der Nachfragen, um sich photographiren zu lassen. Freunde von Freunden und Bekannte von Bekannten kommen zum Vorschein und unser Freund beginnt einzusehen, dass das Portraitiren ein kostspieliger Spass ist. Nun kann er zwei Wege einschlagen: entweder sich ausschliesslich auf Land- schaften beschränken, was im Allgemeinen eine viel dankbarere Arbeit ist, oder mit Portrait-Anfertigen gegen Vergütigung der Unkosten fortfahren.

Bekommt er seine Unkosten vergütigt, dann wird es ihm unbedingt nicht darauf ankommen, seine Clichés durch einen Photographen retouchiren zu lassen, wodurch er in den Stand gesetzt wird, noch bessere Arbeit zu liefern. Die Zahl der Personen, die gern billig photographirt werden wollen, nimmt stets zu, und unser Amateur muss für die Herstellung seiner Abdrücke seine Zuflucht zu einem Fachmanne nehmen. Da seine Arbeit dadurch der eines Fachmannes nahe kommt, wird er sich für berechtigt halten, einen kleinen Profit zu machen, und hierdurch wird unser Amateur unmerklich in einen Berufsamateur ver- wandelt. Wir gebrauchen hier den AusdruckBerufsamateur, weil unser Lieb- haberphotograph, der thatsächlich nichts Anderes als ein nicht concessionirter Fachphotograph ist, sich mit der grössten Hartnäckigkeit Amateur weiter nennt; manchmal sind sie noch unverfroren genug, unter ihre PhotosAmateur-Photo- graph drucken zu lassen, und es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, so gehen sie zum Annonciren über.

Aus dem Vorhergehenden darf man aber nicht den Schluss ziehen, dass jeder Amateur, der zu einem Fachphotographen seine Zuflucht nimmt, ein Berufs- amateur ist. Personen, die vielleicht noch nie ein Photo verkauft haben, lassen oftmals bei einem Photographen retouchiren, abdrucken, ja selbst entwickeln, oft, weil sie selbst nicht die Zeit dazu haben, meistentheils aber, weil sie es selbst nicht können. Ein Fachmann wird gewöhnlich vermöge seiner grösseren Erfahrung bessere Abdrücke zu liefern im Stande sein, weshalb auch so viele Amateure, selbst solche, von welchen man dies am wenigsten vermuthen sollte, so schwach sind, ihre Ausstellungsarbeiten durch einen Berufsphotographen drucken zu lassen, wodurch sie sich denn auch oft die wohlverdiente(7) Medaille zu er- obern wissen.