Jahrgang 
1894
Seite
277
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Nr. 29. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 277

durch ihren künstlerischen Werth und technische Ausführung auszeichnen. Es soll dadurch erstrebt werden, durch die Mannigfaltigkeit solcher Arbeiten auf den Geschmack des Publikums veredelnd zu wirken, denn es ist bekannt, dass das Publikum durch die Arbeiten mancher Ateliers an gezwungene und steife Stellungen gewöhnt ist und deshalb denjenigen Photographen, welche sich in Bezug auf malerische Anordnung etwas erlauben, selten das wünschenswerthe Verständniss entgegenbringt. Ausserdem sollen natürlich auch die wissen- schaftlichen und sonstigen Neuerungen zugelassen werden und es wird für die 2. und 3. Abtheilung die Regel bestehen, dass nur solche Arbeiten zuge- lassen werden, die entweder lediglich die Darstellung neuer Verfahren oder als vollendete Erzeugnisse der Technik oder auch als hervorragende Hilfs- mittel der Wissenschaft eine Bedeutung haben. In der letzten Abthei- lung sollen Apparate und Bedarfsartikel sowie alle diejenigen Sachen ver- einigt werden, welche die Zweige der Photographie im weitesten Umfange zu fördern geeignet sind. So wird man unter dieser Nummer auch photo- graphische Werke und dergleichen vereinigt finden.

Die Auszeichnungen werden in Ehrenpreisen und Medaillen der Thüringer Gewerbe- und Industrie-Ausstellung bestehen. Programme der Ausstellung sind von Herrn Regierungsbaumeister Erlandsen in Erfurt zu beziehen.

Internationaler Weitbewerb.

Photographische Darstellung eines Tropfen Wassers wäbrend seines Falles.

Unter diesem Titel sendet uns der Herr Dr. E. Demole in Genf die Be- stimmungen über ein Preisausschreiben, welches die Revue Suisse de Pboto- graphie erlässt. Es ist ein hochwissenschaftliches Thema und auch in photo- graphischer Beziehung sehr interessant. Die Bestimmungen sind aus dem Nachstehenden zu erkennen.

In§ 1 wird mitgetheilt, dass die Herren: Capitain W. de W. Abney, Präsident des Camera-Clubs in London, E. J. Marey, Präsident der Société française de Photographie, J. Janssen, Präsident der Union nationale des Sociétés photographiques de France, Dr J. M. Eder, Regierungsrath und Pro- fessor an der k. und k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Re- productionsverfahren in Wien, das Protectorat über diesen Wettbewerb ange- nommen haben. Es wird darauf hingedeutet, dass verschiedene Gesichtspunkte geeignet sind, die Natur eines fallenden Wassertropfens zu verändern: Das Volumen, welches durch den Durchmesser des Wasserglases bedingt ist, die Geschwindigkeit, die man erkennen kann, wenn man die Entfernung vom Abfallpunkte kennt, die Dichtigkeit, welche dadurch bekannt ist, dass man destillirtes Wasser nimmt, die Abwesenheit oder Anwesenheit von Luftblasen und endlich die Temperatur des Wassers.

In§ 2 wird vorgeschrieben, dass die angewendete Flüssigkeit destillirtes Wasser sein soll, dessen Temperatur nach dem 100 theiligen Thermometer bestimmt wird. Dieses Wasser soll aus einer Glas- oder Metallröbre fallen, deren innerer und äusserer Durchmesser gemessen ist. Man regelt den Abfall des Wassers durch einen Hahn so, dass man ungefähr einen Tropfen in der Secunde bekommt, damit sich nicht die Tropfen untereinander vermischen. Man misst sehr genau die Entfernung des Tropfens von seinem Ausgangs- punkte bis zu der Stelle, an welcher er photographirt wird. Der Fall des Wassertropfens soll an einem abgeschlossenen Orte stattfinden, um einen Ein- fluss der Bewegung der Luft auszuschliessen.

§ 3. Die Grösse des Photogramms des Wassertropfens ist nicht vorge- schrieben, jedoch werden diejenigen Bilder den Vorzug haben, welche der natürlichen Grösse am nächsten kommen. 1

§ 4. Die Aufnahmen können auf Glas, Hàute oder auf Papier angefertigt werden; sie sollen aber ohne jede Retouche eingeliefert werden und zwar bis zum 15. October 1894 an den Herrn Dr. E. Demole. Director der Revue Suisse de Photographie in Genf, Place du Molard. Jedes Bild soll ein Kennwort tragen, welches ebenso in einem verschlossenen Umschlag sich befinden muss. Dieser Umschlag enthält die Adresse und den Namen des Verfertigers, sowie