Allein große Dinge erreicht man— wenn der Zufall anders nicht mitſpielt— nie mit kleinen Mitteln, und ſo iſt auch dieſe Einfuͤhrung der ed⸗ len Race oder die hoͤhere Veredlung der Landſcha⸗ ſe nicht ſo leicht, wie ſie manche dargeſtellt haben. Es kommt dabei nicht blos auf den Willen und das Kapital an, ſich einen edeln Stamm⸗ oder Zuchtſtoͤr auzuſchaffen. Man mußte ſie auch geho⸗ rig auswählen, ernaͤhren und behandeln konnen. Denn ſo groß die Vortheile dieſer Race ſind, ſo uͤbertreiben es doch diejenigen, welche vorgeben, ſie erfordere nicht ſorgfaͤltigere und reichere Ver⸗ pflegung wie unſere gewohnliche Landrace. Die Merinos ſind in manchem Betracht zaͤrtlicher, den Einwirkungen aͤußerer Schaͤdlichkeiten mehr un⸗ terworfen und einer beſſern Rahrung beduͤrftig. Die einmal beſtehende Feinheit in der Wolle wird ſich zwar auch bei der ſchlechteſten Verpflegung nicht vermindern, aber ſie wird in der Quanti⸗ taͤt dann bei weitem mehr zuruckſchlagen, als die grobe Wolle, die Sache uͤberhaupt aber nicht lange ausdauern, indem dieſes Vieh verkuͤmmern und eusſterben wird, wo ſich Landvieh noch immer hingehalten haͤtte. Der Schaden des Verluſtes ei⸗ ner Herde ſteht aber mit dem Werthe derſelben in Verhaͤltniß, und iſt folglich bei einer edlen um ſo großer und empfindlicher. Man geht doher zu weit, wenn man, wie insbeſondere einige neuere franzoſiſche Schriftſteller thun, auf die Allgemein⸗
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Handbuch für die feinwollige Schafzucht / Auf Befehl des Königl. Preuß. Ministeriums des Innen herausgegeben ; von A. Thaer, Königl. Preuß. Staatsrathe [et]c.
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