Beackerung. 9
Das Saamenunkraut kann nur dadurch zerſtoͤrt werden, daß man den in der Ackererde liegenden Saamen dergeſtalt an die Oberfläche bringe, daß er zum Keimen gelange, indem er ſich ſonſt vielleicht Jahrhunderte lang unverſehrt im Boden erhält. Denn der groͤßtentheils feine Saame keimt durchaus nicht, wenn er nicht der freien Einwirkung der Atmoſphare genießt. In einem jeden un⸗ gepulverten Erdkloße ruhrt er ſich nicht, ſondern bleibt ruhig darin, bis jener zer⸗ fällt. Ohne vollkommnene Pulverung iſt daher ſelbſt in der an die Oberfläche ge⸗ brachten Erdſchicht an keine vollſtändige Zerſtoͤrung zu denken, ſo lange die Pflug⸗ ſtreifen und Erdkloͤße nicht in feines Pulver zerfallen ſind, und um zu dieſer Zer⸗ ſtörung zu gelangen, muß jede duͤnne Schicht der Ackererde nicht nur an die Ober⸗ fläche kommen, ſondern auch zum Zerfallen gebracht werden; weswegen der Pflug ohne die Egge hier wenig ausrichtet.
Das Wurzelunkraut aber, insbeſondere die Quecken(Triticum re- pens) und die ſogenannten Paͤden(Agrostis stolonifera), und mehrere Gras⸗ gartungen, ſo wie die Diſteln und Dockenarten, erfordern eine ganz entgegenge⸗ ſetzte Behandlung. Sie werden nur durch eine oͤftere Zerſtoͤrung ihrer jungen Keime und durch die Luft⸗ und Lichtausſetzung ihrer Wurzeln getoͤdtet. Es koͤmmt daraufan, ſie entbloͤßt von Erde an die Oberflaͤche zu bringen, und in eine Lage, in welcher ſie nicht zu friſchen Austrieben durch zerkruͤmelte Erde gelockt werden. Wenn auch das wirkſamſte Eggen einen Theil ausreißt, ſo pflanzt es gleichſam einen andern Theil um ſo beſſer ein, und umgiebt ihn mit lockerer Erde, in wel⸗ cher ſich die neuen Austriebe ſogleich verbreiten. Dieſes darf daher, wenn es auf die Zerſtorung der rankenden Wurzeln abgeſehen iſt, nicht eher geſchehen, als bis man es durch den Pflug aus ſeiner guͤnſtigen Lage wieder herausreißen will.
6) Die Unterbringung des Miſtes. Von der Vermengung deſſel⸗ Unterbrin⸗ ben mit dem Erdboden iſt ſchon oben geſprochen. Bei der erſten Unterbringung deſſelben durch die Beackerung iſt ſchon Ruckſicht darauf zu nehmen, daß er nach ſeiner Beſchaffenheit in diejenige Lage komme, in welcher er ſeine Wirkung auf die unmittelbar einzuſäende Frucht am beſten aͤußere, oder aber bei mehrmaliger Ruͤhrung des Bodens ſich mit demſelben am beſten vermengen kann. Der laͤn⸗ gere und ſtrohige Miſt erfordert eine Furche, tief genug, um ihn aufzufaſſen; der zerfallne eine flache, um ihn nicht zu tief zu verſenken.
Dritter Thell. B


