12 Das Einladen und Bewillkommen des Herrn
Erb⸗ und wirckliche Suͤnden bußfertig und wehmuͤthig erkennen, und ſich nach Chriſto JEſu umſehen, daß derſelbe ihnen helffen, und ihr zerbrochenes Hertz wieder gantz machen moͤge. Da heiſts nun ſolche verwundete Schafe will ich verbinden, nemlich durch kraͤfftigen Troſt deß Evangelii. Ich will ſie der Vergebung ih⸗ rer Suͤnden verſichern, ich will ſie uͤberzeugen, daß GOtt durch mein Blut mit ihnen verſoͤhnet ſey, und daß ſie ſich alles Liebes und Gutes zu dein ſelbigem zu verſehen haben. Eben dieſes iſt nun eine der haupt⸗Urſachen, warum ſich ſo wenig Menſchen zu ihrem Heylande bekehren, weil die mehreſten in der Welt die groſſe Gefahr ihrer Seelen nicht lebendig erken⸗ nen, ſondern bey allem ihrem Dienſte der Suͤnden ſich unge⸗ gruͤndet und faͤlſchlich einbilden, es ſtunde gantz gut mit ihnen, und ſie wollten ſchon mit GOtt auskommen, wenn ſie nur ein aͤuſſerliches, vor der Welt unſtraͤffliches, erbares Leben fuͤhre⸗ ten. In dieſer eingebildeten faͤlſchlichen Meynung und Verblen⸗ dung hat der Satan ſchon ſehr viele Seelen eungeichlaſßert und ſie in das ewige Verderben geſtuͤrtzet, die hier wunder gemeinet, was vor gute Chriſten ſie waͤren, und dadurch ſich alſo ſelbſten im Licht geſtanden, und an einer wahren Buße und Bekehrun gehindert und abgehalten haben. Denen aber in der Ewigkeit!, wie wohl viel zu ſpat, die Augen aufgegangen ſind, da ſie er⸗ kennen und einſehen lernen, wie weit ſie mit gller ihrer aͤuſſerli⸗ chen Erbarkeit von dem heiligen und reinen Weſen GOttes ent⸗ fernet geblieben. O wie unumgaͤnglich nothwendig iſt es dero⸗ wegen, daß man auf die verborgene Schlupfwinckel und heimli⸗ che Tücke des Herben mit allem Fleiß aufs ſorgfaͤltigſte mercke! ja daß man ſich zu dem allwiſſenden GOtt, der die Hertzen und
Nieren derer Menſchen pruͤfet, und weiß, was in dem Men⸗ ſcheu iſt, hin wende, und ihn flehentlich und inbruͤnſtig anruffe, daß er ſelbſt uns moͤge erforſchen und pruͤffen, was vor ein Hertz wir gegen ihn haben, und uns erleuchtete Augen ſchencke, die groſſe Finſterniß und Unwiſſenheit des Verſtandes, und die u


