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Offenes Sendschreiben an Hrn. Dr. Justus Liebig in Giessen, eine gegen mich gerichtete Anmerkung im Juniheft der Annalen der Chemie und Pharmacie betreffend : nebst einigen Bemerkungen zu der Schrift: Ueber Liebig's Theorie der Pflanzenernährung und Schleden's Einwendungen gegen dieselbe von Karl Winkelblech, Professor in Kassel / von M.J. Schleiden, Dr., ausserordentlichem Professor in Jena
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sein des allein Richtigen erworben, unendlich höher als ein solches, welches eben nur auf seinen gesunden Treffer sich verlassen kann, oder wie man etwas feiner sagt, nur seinem Genius folgt. Endlich will ich zuletzt noch einmal bemerken, was ich schon in meinem Aufsatze gesagt habe. Wenn L. den Schel- lingianismus die deutsche Naturphilosophie nennt, so ist das Unwissenheit von ihm oder absichtliche Verdrehung der Sache. Vor Schelling war Rant, nach Rant und mit Schelling zugleich Fries. Rant und Fries haben aber die Naturphilosophie im Geiste Newton's, des ersten ächten Naturphilosophen gefördert. Fast alle ausgezeichneten Naturforscher die sich über die Em- pirie erhoben, sind immer jener Schule treu geblieben. Nur eine kurze Zeit hat die Schelling'sche Formenspielerei einigen unklaren Leuten den Ropf verrückt und nur einige wenige geniale Röpfe haben damit sich befreundet, weil sie ihrer über- mächtigen Phantasie und ihrem Witze, beide von höchst unter- geordneter Bedeutung in der Wissenschaſt, einen freien Spiel-

raum gewährten, z. B. Ohen. Längst aber ist der Geist aller

ausgezeichneten Naturforscher wieder in die von Newlon zuerst vorgezeichnete Bahn zurückgelenkt. Wenn man also von einer deutschen Naturphilosophie sprechen wollte, so könnte man die Neuwton-, Hant-, Fries'sche so nennen. Herr M. hätte nur den ihm so nahen Gauss fragen können, wie der über Fries denkt. Schelling hat in diesem Augenblick, einige absterbende Reste ausgenommen, keine Schule mehr in der Naturphilosophie, Hegel hat niemals eine naturphilosophische Schule gehabt und wird nie eine bekommen, denn die deutsche Naturforschung ist für solch hohles Phrasenwerk schon zu gesund und krältig entwickelt.

Die am Ende mitgetheilten Parallelstellen von mir und L., um des LetzternBescheidenbeit und Feinheit des Ausdrucks zu beweisen, lasse ich unangetastet stehen. Jeder, der diesem Streite einige Aufmerksamkeit schenkt, kann sich noch aus den Annalen der Chemie und Physik eine hübsche Sammlung von Belegen für L's.Bescheidenheit und Feinheit des Ausdrucks,