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Der Harz : mit großer Übersichtskarte, 21 Routenkarten und Plänen und 4 Panoramen.
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41. Route: Von Alexisbad nach Ballenstedt. 269

Geschichtliches. Schon im 7. Jahr- hundert stand an jener Stelle eine stattliche Burg, in welcher das reiche und mächtige Grafengeschlecht der Askanier residierte. Im Jahre 1106 wurde Otto dem Reichen, der sich Herzog von Askanien und Aschersleben nannte, ein Sohn ge- boren, welcher den Namen Albrecht führte. Albrecht, dem man später wegen seiner großen Tapferkeit den NamenBär beilegte, ist als der Begründer des Fürstenhauses Askanien oder Anhalt zu betrach- ten. Er erwarb große Güter, verlor aber unter Kaiser Lothar die in seinem Besitz befindliche Nieder- lausitz und die Nordmark und war nun auf seine Erbgüter und das stille Leben auf der väterlichen Burg beschränkt. In späteren Jahren erhielt er die Nordmark zurück. Er eroberte darauf nach und nach alle an die Nordmark angrenzenden Gebiete, ließ sich damit vom Kaiser Konrad III. erblich belehnen und wurde somit der Stifter des neuen Staates Brandenburg. Er führte auch seit 1144 den Titel eines Mark- grafen von Brandenburg und ver- legte seinen Wohnsitz nach der da- maligen Haupstadt Brandenburg. Nach der Besiegung des aufrühre- rischen Wendenfürsten Jazko wurde dieser einst so mächtige Völker- stamm fast gänzlich ausgerottet. In die verödeten Landstriche berief Albrecht Ansiedler vom Rhein und aus Holland, welche sich an der Elbe, Havel und Spree nieder- ließen und unter anderen Stödten

auch Berlin gründeten. Nachdem er 1159 mit seiner Gemahlin eine Wallfahrt nach dem Heiligen Grabe unternommen hatte und in einem Kriege gegen Heinrich dem Löwen nicht glücklich gewesen war, über- gab Albrecht, des Lebens und der Regierungssorgen müde, die Mark seinem ältesten Sohne Otto I. und zog sich 1168 nach dem freund- lichen Ballenstedt zurück, wo er im Jahre 1170 im Alter von 64 Jahren starb. Sein Grabmal be- findet sich in der Schloßkirche. Albrecht war einer der vorzüglich- sten Fürsten seiner Zeit. Sein jüng- ster Sohn Bernhard erhielt die Stammgüter am Harze und nannte sich Fürst von Anhalt. Seine Nach- kommen residierten auf der jetzt verfallenen Burg Anhalt, 1 ½ St. von Ballenstedt.

Die alte Stammburg aber war von 1046 bis 1525 ein Mönchskloster. Da, wo soönst geharnischte Ritter geweilt, schlichen jetzt in schwarze Kutten gehüllte Mönche durch die Zellen und Korridore. Wo sonst in den Bankettsälen Becherklang und Saitenspiel erscholl, vernahm man nun die Hora der andächtigen Mönche. Als der Bauernkrieg über viele Gaue Deutschlands Tod und Verderben brachte, wurde auch das Kloster Ballenstedt von den auf- ständischen Bauern erstürmt und zerstört(1525). Auf den Trümmern aber erbaute man später das jetzige Schloß, welches nun wieder zum Fürstenschloß umgeschaffen wurde.

Der Schloßpark, eine Schöpfung Lennés, ist überaus schön,

besonders die Terrasse am Schlosse.

Aus dem Rachen eines

gußeisernen Ichthyosaurus vor der Terrasse entspringt eine

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25 m hohe Fontäne. Zwei prachtvolle, gußeiserne Hirsche von

Kureck, ebenso zwei Bären, ein kolossaler Löwe und eine in

Zink gegossene Gruppe:

Vom

Panther angefallener Schäfer

sowie das Denkmal der letzten Herzogin Friederike von Anhalt-

Bernburg schmücken den

Garten. An

baumumschatteten

Teichen entlang spaziert man in den unmittelbar anschließenden Wald, der seines reichen Wildstandes wegen bemerkenswert ist. Vom Parke aus kann man direkt nach dem Röhrkopf, einem Jagdschlößchen mit schöner Aussicht, gelangen.