Von Kuchenſchell. Cap. CCCXLIIII. Die nattir vnd complexion.
Die Kuchenſchell iſt ſeer hitzig vnd trucken/ nemlich im vierdten grad/ wie der Senff/ das man auß dem geſchmack/ der do über die maſſen ſcharpff iſt/ wol kan abnemen. b b
Krafft vnd würckung.
Dieweil diß kraut hefftig auff der zungen bꝛeñt/ mag es zů etzen gebꝛaucht werden/ dañ es an ſich zeücht/ vnd alle feüchtigkeyt ſo inwendig im leib iſt/ her⸗ auß locket. Die wurtzel gekewet/ zeücht die zaͤhen feüchtigkeyt auß dem haupt.
Der ſafft von der wurtzel in die naſen gethon/ reyniget das haupt. In die au gen getropfft/ verzert er die groben faͤl ſo dariñ gewachſen ſeind/ vnd macht ein klar geſicht. Das kraut vnd ſtengel mit gerſten von jhꝛen hülſen gereyniget/
O geſotten vnd geſſen/ mehꝛet die milch. Deßgleichen thůn ſie gruͤn zerſtoſſen über
die bꝛüſt gelegt. Der geſtalt gebꝛaucht/ heylen ſie die rauden/ vnd andere vnſau berkeyt des leibs. Sie reynigen auch der geſtalt übergelegt die vnſaubern vnd vnreynen ſchaͤden. Gleiche krafft hat der ſafft auch/ ſo auß dem kraut vnd ſten⸗ geln getruckt würdt. Ein woll dariñ getunckt vnnd in die weibliche ſcham ge⸗ thon/ bꝛingt den frawen jhꝛe kranckheyt. Er heylet auch die vnreynen wunden ſo er darinn gethon würt. b b b
Namen. Iß gewechß würdt von vnſern Teütſchen Fingerhůt geheyſ⸗ ſen/ darumb das ſeine blůmen einem fingerhůt/ ſo man zů dem naͤen bꝛaucht/ gantz vnd gar aͤnlich ſeind. Wie es bey den alten geheyſſen ſey woꝛden/ kan ich nit wiſſen/ iſt jhnen villeicht nit be 3 kant geweſen. Man mags in mittler zeit/ biß man einen beſſern namen findt/ wie wir in vnſerm Lateiniſchen kreüterbůch gethon haben/ Digi⸗ talem zů Latein/ dem Teütſchen namen nach nennen.— Beſchlecht. b Des ingerhůts kraut ſind zwey geſchlecht. Eins hat ſchoͤn leibfarb bꝛaun blůmen/ mag derhalben zů vnderſcheydung der geſchlecht/ bꝛaun Fingerhůt⸗ kraut genent werden. Das ander aber hat ſchoͤn geelblůmen/ würt demnach fuͤglich geel. Fingerhuͤtkraut geheyſſen. Haben ſonſt kheinen vnderſcheyd zwüj⸗ ſchen einander dañ allein in den blůmen. Geſtalc. Fingerhuͤtkraut hatt ein runden ſtengel/ der iſt einer elen lang. Die bletter ſeind bꝛeyt vnd lang/ dem Wegerich kraut nit ſeer vngleich/ doch zu ringßymb⸗ her zerkerfft wie ein ſaͤg. An der ſeiten der ſtengel gewindt es ſeine hüpſche lieb⸗ liche blůmen/ die ſteen nach einer oꝛdnung von mitten an des ſtengels biß oben auß nach einander/ an der farb leibfarb bꝛaun/ oder geel/ der geſtalt nach einem fingerhůt gantz vnnd gar aͤnlich. Wañ diſe blůmen abfallen/ ſo erſcheinet dar⸗
Von Pingerhuͤtkraut. Cap. CCCXLV.
nach ſein ſame/ welcher iſt bꝛeyt vnnd ettwas langlecht/ hat voꝛnen ein langen
ſpitz/ der gewindt oben zwey gaͤbelin. Die wurtzel iſt ſchwartz vnnd hat vil za⸗ ſeln. Iſt in ſumma ein ſchoͤn luſtig kraut anzuͤſehen/ habs derhalben nit künden übergeen/ vnangeſehen das es noch in keinem bꝛauch iſt bey den aͤrtzeten/ ſo vil vnd mir bewüßt.
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