ℳ
72 EGießiſcher Leichpredigten
der Mutterliebe ſpricht der He aur alſo Eſai. 49. Kan auch ein Weib jhres Kindleins vergeſſen/ daß ſie ſich nicht er⸗ barme vber den Sohn jhres Leibs? vnnd ob ſie deſ⸗ ſelbigen vergeſſe/ ſo wil ich doch dein nicht vergeſſen. Von der Vatterlieb lauten die Wort deß 103. Pſalmens: Wie
ſich ein Vatter vber Kinder erbarmet/ ſo erbarmetſich
der HeRR ovber die ſojhn fuͤrchten.
Gleich wie aben dieſe Lieb iſt hertzlich/ alſo iſt ſie hergegen in widerwertigenfaͤllen ſehr ſchmertzlich/ vnd gehet nach dem gemey⸗ nen Sprichwort Bernhardi: Novus fructus, novus luctus: Ach was geliebet das betruͤbet!/ je lieber Hertz/ je groͤſſer Schmertz. Kin⸗ der kommen von Hertzen/ vnd gehen auch wider zu Hertzen. Hiero⸗ nymus der alte Kirchenlehrer ſchreibet ad Daulam de morte Ble- lillæ, von einem Chriſtlichen Eheweib mit Namen Melania/ daß ſie auff einen Tag jhren lieben Ehevogt/ beneben zween Soͤhnen verlohren/ vnnd doch weder geheulet noch geweinet habe. Herodo⸗ tus bezeuget/ daß der Koͤnig in Egypten Pſammenitus/ nicht ge⸗ weinet habe/ als man jhm ſeine Kinder vor den Augen zun blutigen Schlacht gefuͤhret. Da er aber geſehen/ daß dergleichen ſeinen gu⸗ ten Freunden widerfahren/ hat er ſich gekruͤmmet wie ein Wuͤrm⸗ lein/ gekirꝛet wie ein verlaſſenes Turteltaͤublein: Vnd als er efra⸗ get wordẽ warumb er ſeine freunde vnd nicht ſeine leibliche Kinder beweinde/ habe er dieſe Vrſach angezeyget: Domeſtica mala majora ſunt lacrumis, das. Haußereut/ daß einem an ſeiner Leibs⸗ ſrucht trifft/ iſt viel zu groß darzu/ als daß es koͤnne beweinet werdẽ. Oſja/ die Noht iſt offt ſo groß/ daß kein Traͤnlein herauß will. La-
erumæ prænimio doloroareſcunt, ſprechen die Phyſici, die
Thraͤneguelle vertrucknen wegen deß groſſen Trawrens.
Was Kinder vor Braͤſtigkeit machen/ darvon weyß einem der fromme Patriarch Jacob ein Lidlein zu ſingen. Dann alsjhm angekůͤniget wardt/ ſein liebſter Sohn Joſeph were von einem r.
em


