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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Ontarioapfel.

Reifezeit: Dezember bis April-Mai.

Name und Heimat: Der Ontarioapfel ist aus einer Kreuzung des Northern Spy mit dem Wagener- apfel hervorgegangen und in der Provinz Ontario in Kanada gezüchtet. Er ist von den Gebrüdern Transon in Orléans im Jahre 1882 in den Handel gebracht. Er ist heute in Deutschland allgemein ver- breitet.

Literatur: Pomologische Monatshefte, Jahrgang 1892, Seite 249; Deutsche Obstbauzeitung, Jahr- gang 1911, Seite 417.

Gestalt: Groß, 80 90 mm breit und 70 80 mm hoch, plattgedrückt, meist regelmäßig, oft aber auch sehr unregelmäßig gebaut, nach dem Stiel und Kelch hin abgeflacht. Die vom Kelch ausgehenden Rippen erstrecken sich oft über die ganze Frucht und geben dieser(im Gegensatz zu unserer farbigen Abbildung) im Querschnitt ein kantiges Aussehen.

Kelch: Geschlossen, mit grünwolligen, zurückgeschlagenen Kelchblättern, in einer tiefen und meist weiten Einsenkung.

Stiel: Meist kurz und dick, oft auch wie auf dem Bilde 15 20 mm lang, in einer weiten und tiefen, meist etwas berosteten Stielhöhle.

Schale: Grundfarbe gelblichgrün, zur Reifezeit lebhaft gelb, auf der Sonnenseite zunächst trübrot, später lebhaft rot verwaschen und gestreift. Zahlreiche weiße Tupfen(etwas feiner als auf dem Bilde) heben sich von der roten Deckfarbe deutlich ab.

Fleisch: Weißlich, zart und mürbe, von sehr erfrischender, angenehmer, feiner Säure.

Kernhaus: Ziemlich groß und hohlachsig, Kammern geräumig, mit dunkelbraunen, breiten Kernen gefüllt.

Eigenschaften der Frucht.

Soweit es sich bis jetzt beurteilen läßt, ist der Ontario von allen aus Amerika nach Deutsch- land eingeführten Apfelsorten die beste und auch die verbreitetste. Einer seiner Hauptvorzüge ist seine Haltbarkeit bis in den Sommer hinein, ohne daß er welkt und schrumpft, und ohne daß er dann seine erfrischende Säure einbüßt. Er schmückt sich erst nach geraumer Lagerung mit den oben beschriebenen frischen Farben, und er muß sich zur Zeit des Obstverkaufs im Herbst recht mühsam Abnehmer suchen. Diese bleiben ihm aber treu, sobald sie erkannt haben, daß der Ontario alle übrigen vorrätigen Obstsorten im Keller überdauert und noch im späten Frühjahr gegessen werden kann. Seinen Hauptwert hat er allerdings für die Wirtschaft; als Kuchenapfel ist er ebenso begehrt wie zur Musbereitung, ohne daß ihm auch der Wert als Tafelfrucht abzusprechen wäre. Seine feste, mit einem Wachsüberzug versehene Schale macht ihn wider- standsfähig gegen Pilzbefall und sichert dem Besitzer die Ernte gesunder Früchte, zumal diese auch im Sturm ziemlich festhängen.

Wo man ihn kennt, ist er gesucht und erzielt hohe Preise. Bei der Ernte und bei dem Versand unempfindlich, paßt er ebenso für den Erwerbsobstbauer wie für den Liebhaber.

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