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20 0ℳ 2 1 Königinapfel.(The Queen).
Reifezeit: Oktober bis November.
Nameèe und Heimat. Eine englische Züchtung, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, fast gleichzeitig mit dem Bismarckapfel entstanden und unter dem Namen„The Queen“ in den Handel gegeben wurde. Mit den üblichen, nicht immer maßvollen Lobsprüchen angepriesen, hat der Königinapfel auch Deutschland von Norden bis Süden durchquert, so daß über ihn überall Erfahrungen gemacht sind.
Literatur: Pomologische Monatshefte, Jahrgang 1892, Seite 94.
Gestalt: Groß bis sehr groß, mittelbauchig, nach dem Kelch und Stiel zu gleichmäßig abgerundet, 80— 95 mm breit und 65— 80 mm hoch, also ein plattgedrückter, zuweilen auf einer Seite abgeschrägter, aber meist regelmäßig gebauter Apfel.
Kelch: Offen, bisweilen halboffen, mit kurzen, breiten, grauwollig behaarten Kelchblättchen. Kelch- einsenkung weit und mäßig tief, von Fältchen und Rippen, die sich über die halbe Frucht hinziehen, eingefaßt.
Stiel. Meist kurz und dick— wie auf der farbigen Abbildung— zuweilen aber auch lang und dünn, in einer strahlig schwach berosteten, tiefen und weiten Stielhöhle.
Schale: Grundfarbe grünlichgelb, zur Reife hellgelb, glatt und glänzend, mit fettigem UÜberzug. Die Sonnenseite ist fast immer, besonders auf der Unterseite, mit leuchtend roten Flammen bedeckt, zuweilen wird sogar zwei Drittel der ganzen Frucht damit überzogen.
Fleisch: Weiß mit gelblichem Schimmer, sehr locker und mürbe, zwar saftig und weinsäuerlich,
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aber ohne Würze.
Kernhaus: Im Verhältnis zur Größe der Frucht klein, ein wenig hohlachsig, mit schmalen Kam-
mern. Kerne groß und platt gedrückt, in eine breite Spitze auslaufend, dunkelbraun gefärbt.
3 Eigenschaften der Frucht.
Dem Königinapfel ist es wie mancher anderen englischen Züchtung ergangen. Ihr erstes
Erscheinen hat Aufsehen erregt. Dies ist leicht erklärlich, sobald Schaustücke, wie sie die
farbige Beilage darstellt, auf den Markt kommen. Man freut sich über die prächtige Farbe,
ist leicht geneigt, über die Schattenseiten mit mildem Urteil hinwegzusehen und man kommt
erst später nach genauer Prüfung zu einer nüchternen Beurteilung darüber, welche Vorteile eigent- lich für ihre Weiterverbreitung und dadurch bedingte, häufig auch dadurch herbeigeführte Zurück- setzung einer anderen Sorte zu Recht bestehen. Schaufrüchte trägt der Königinapfel jedenfalls.
Das ist aber auch bei dem Kaiser Alexander der Fall, dessen Früchte ebenso bestechend sind,
wenn man seine schönsten Früchte denen des Königinapfels gegenüberstellt. Es wird niemanden einfallen, den Kaiser Alexander als feinen Tafelapfel zu bezeichnen. Auch der Königinapfel ist
nur eine Frucht für wirtschaftliche Verwendung, für diese aber sehr wertvoll. Für den Rohgenuß
G beansprucht man heute andere Eigenschaften.
Seine Haltbarkeit ist ziemlich begrenzt, weil er seine Frische bald verliert. Im Oktober, spätestens im November muß er gegessen werden. Seine frühe Entwickelung am Baume verleitet
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manchen, ihn als Sommerfrucht anzusehen und früh zu ernten. Besser ist es, ihn nicht vor
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