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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Eigenschaften des Baumes.

In der Baumschule erlebt man an der Tiefblüte nicht viel Freude; in der Jugend ist ihr Wuchs sehr dürftig und schwach. Wenn andere Sorten wie Boskoop, Landsberger Renette Triebe von 1 ½ m Länge machen, wird die Tiefblüte kaum 1'm hoch. Daher geben die Baumzüchter sich nicht gern mit dieser Sorte ab; sie sind gezwungen, für sie zur Stammbildung wüchsigere Sorten zu wählen und die Tiefblüte in der Krone darauf zu veredeln.

In die Obstanlagen verpflanzt, entwickelt sie sich zu einem kräftigen Baum mit breit aus- langender, etwas hängender Krone, und sie erreicht, wenn ihr der ausreichende Platz zu ihrer freien Ausdehnung zur Verfügung steht, einen breiten Durchmesser und ein hohes Alter.

Auf den westfälischen Bauerngehöften kann man fast allenthalben breitkronige und stark verästelte Riesenbäume antreffen, wie es das Bild der Beilage zeigt. Sie gehören zu dem eisernen Baumbestand, der vom Vater auf den Sohn vererbt und beim Absterben regelmäßig ergänzt wird.

Ihre Tragbarkeit beginnt erst im vorgerückten Alter, kehrt aber regelmäßig alle zwei Jahre mit reichen Ernten wieder. Man trifft die Tiefblüte nur als Hochstämme an. Ihr Anbau als Buschbaum lohnt nicht genügend. Zur Verwendung an Straßen ist sie wegen ihrer breit aus ladenden Kronenzweige ganz ungeeignet. Sie muß einen freien Standort haben, um durch frische Luft von dem Schorfbefall frei zu bleiben, sie gedeiht in Höhenlagen wie im Tale. Sie bevorzugt einen schweren, feuchten Boden, ist im allgemeinen aber anspruchslos. Solange die Bäume vom Fusicladium verschont bleiben, fallen sie durch ihr gesundes, dunkelgrünes Laub auf und bieten dadurch einen prächtigen Anblick.

Schlechte Eigenschaften.

In geschlossenen Pflanzungen leidet die Tiefblüte seit einer Reihe von Jahren unter dem Befall von Schorf. Es scheint, als ob die früher bei ihr bekannte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten nachläßt. Auch über das Auftreten von Mehltau wird geklagt. Sie wird daher wohl auf ihr bisheriges Anbaugebiet beschränkt, d. h. eine Lokalsorte, bleiben.