Tiefblüte.
Reifezeit: Oktober bis Frühjahr.
Name und Heimat: Eine alte, in Westfalen und Lippe weit verbreitete Sorte, über deren Herkunft zuverlässige Angaben nicht vorliegen. Die im Kreise Naumburg, Zeitz und Weißenfels unter dem gleichen Namen bekannte und im lllustrierten Handbuch unter Nummer 469 beschriebene Sorte weicht von der in Westfalen verbreiteten Tiefblüte wesentlich ab. Man sollte diese daher zur Unterscheidung von anderen Sorten„Westfälische Tiefblüte“ nennen.
Literatur: Soweit es uns bekannt ist, wurde diese Sorte nirgends beschrieben.
Gestalt: Mittelgroß, etwa 70 mm breit und 60 mm hoch, von ziemlich gleichmäßiger, mittel- bauchiger Form, unten platt, nach dem Kelch zu etwas verjüngt, aber gewölbt.
Kelch: Halboffen, mit kurzen, am Grunde getrennten und etwas zurückgeschlagenen Kelchblättchen, die einen grünwolligen UÜberzug haben. Die Kelcheinsenkung ist tief und von Fältchen und Rippen, die bis zur Mitte der Frucht hervortreten, eingefaßt.
Stiel: Kurz und dick, 10 bis 12 mm lang, in einer tiefen und sehr engen, strahlenförmig berosteten Einsenkung.
Schale: Glänzend und mit einem fettigen Wachshauch überzogen, am Baume grünlichgelb, später leuchtend gelb, sonnenwärts und an der Unterseite mit einem freundlichen Rot, das durch dunklere Streifen unterbrochen wird, überzogen. Die besonderen Merkmale in der Farbe der Schale, die gerade dieser Sorte eigentümlich sind, treten namentlich an der baumreifen Frucht auf der rechten Seite der farbigen Beilage deutlich hervor.
Fleisch: Fast rein weiß, fest und saftig, etwas weinsäuerlich, aber ohne eigentliche Würze.
Kernhaus: Klein und geschlossen, die Gefäßbündel treten deutlich hervor. Kammern eng, mit dicken, rundlichen Kernen reichlich gefüllt.
Eigenschaften der Frucht.
Die westfälische Tiefblüte ist eine durch ihre lange Haltbarkeit geschätzte Wirtschaftssorte, die zum Kuchenbacken, zur Musbereitung und zu anderen Verwertungszwecken in ihrem Heimat- lande viel begehrt und gut bezahlt wird. Ihre frischeren Farben erhält sie erst nach geraumer Zeit auf dem Lager. Daher empfiehlt es sich, wenn man für sie neue Absatzgebiete suchen will, bis zu diesem Zeitpunkte mit dem Verkauf ihrer Früchte zu warten. Sie hält sich bis zum Frühjahr frisch, ohne zu welken und ist in bezug auf die richtige Pflückzeit nicht empfindlich. Man kann daher schon Anfang Oktober, bevor die stärkeren Herbststürme eintreten, die Ernte vornehmen. Ihre Früchte sind meist von gleichmäßiger Größe, aber bei reichem Behang in der Regel nicht so lebhaft gefärbt.
In neuerer Zeit scheint die Vorliebe für diese Sorte nachzulassen, weil das Fusicladium an ihr vielfach bemerkbar geworden ist, und man auch die Wahrnehmung gemacht hat, daß andere Sorten wie z. B. der Boikenapfel unter den gleichen Bedingungen zu ziehen und noch vorteil- hafter für die Obstzüchter abzusetzen sind. Man kann daher wohl behaupten, daß sie ähnlich wie der Luikenapfel in Württemberg den Höhepunkt ihrer Verbreitung überschritten hat.
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