Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Unter den gelben Gravensteinern gibt es mitunter in wärmerer Lage auch mehr Früchte,

die schöner und reicher rot gestreift sind, so daß auf dem Obstlager die Unterscheidung beider Sorten schwierig ist.

Wir kennen außer unserem vorstehend beschriebenen eine noch weit mehr rotgefärbte Ab- art, die beim Gutsbesitzer Koch in Schleibnitz im Kreise Wanzleben aus Samen hervorgegangen ist. Diese Abart besitzt die gleichen edlen Eigenschaften wie der eigentliche Gravensteiner, sie hat aber den besonderen Vorzug reicherer Fruchtbarkeit.

Daß auch sonst noch aus Samen hervorgegangene Spielarten des Gravensteiner verbreitet sind, möchte man daraus schließen, daß oft auf Ausstellungen in Form und Farbe so sehr von einander abweichende Gravensteinerfrüchte ausgestellt werden. Es ist uns auch bekannt, daß der für Obstverkäufer sehr verlockende Name häufig dazu benutzt wird, um denen, die den echten Gravensteiner nicht genau kennen, andere in Gestalt und Farbe ähnliche Sorten als Gravensteiner zu verkaufen.

Die hier beschriebene Sorte teilt mit dem gelben Gravensteiner dessen gute und schlechte Eigenschaften. Sie besitzt den bekannten, köstlichen Gravensteiner-Geschmack, der zwar nach den Angaben einiger unserer Mitarbeiter nicht ganz so stark durchschmeckt, vielleicht nur deshalb, weil dieser von Boden und Lage beeinflußt wird. Der schöne Gravensteiner Geruch ist auch dem roten Gravensteiner eigen. Er ist aber auch in der Schale ebenso empfindlich und bedarf der sorgfältigsten Behandlung während und nach der Ernte, um frei von Druckflecken auf die Tafel zu gelangen. Im Rheingau bleiben die Früchte klein; dort sollte man den Gravensteiner auch nie als Erwerbssorte anbauen. Die Früchte des roten Gravensteiner reifen etwa 14 Tage früher als die des gelben, und sie müssen zur Vermeidung zu frühen Abfallens vom Baum vor der Baum- reife gepflückt werden.

Eigenschaften des Baumes.

Der rote Gravensteiner macht in der Baumschule kräftige, gerade und konische Stämme. Die einjährigen Veredlungen bilden zahlreiche vorzeitige Seitentriebe, die rechtwinklig vom Haupt- trieb abstehen und an der Ansatzstelle eigentümliche Verstärkungen aufweisen. Die jungen Triebe sind stark wollig, das ältere Holz dunkelgrün, während beim eigentlichen Gravensteiner die Holzfarbe heller ist.

Die Krone baut sich breit und kräftig auf, nicht ganz so unregelmäßig wie die des gelben Gravensteiner. Die Beilage zeigt den etwas mehr geschlossenen Kronenbau eines Baumes in der J. C. Schmidt'schen Obstanlage in Erfurt.

Für strenge Formbaumzucht eignet sich der rote Gravensteiner nicht; bei seiner Neigung, an langen Fruchtruten Früchte anzusetzen, verträgt er den regelmäßigen Fruchtholzschnitt nicht. Auch die freiwachsenden Bäume entwickeln sich bei dem schonendsten Eingriff mit dem Messer am schönsten.

In der Fruchtbarkeit zeigt er sich an manchen Orten etwas dankbarer als der gelbe; es fehlt allerdings auch nicht an Stimmen, Z. B. aus Oldenburg, die ihn als einen noch fauleren Träger hinstellen. Trotzdem er dort Wasser und Nahrung in reichem Maße findet, wirft er gleich nach

dem Ansatz seine Früchte ab. In trocknem Boden macht sich diese Eigenschaft allgemein recht