Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Roter Gravensteiner.

Reifezeit: September bis Dezember.

Name und Heimat: Der rote Gravensteiner ist nach den Angaben von Oberdieck aus einem Zweige unseres schönen, edlen, gelben, im ersten Heft unseres Werkes erschienenen Gravensteiners her- vorgegangen, und er hat bei seiner Fortpflanzung durch Veredlung seine Sorteneigenart echt vererbt. Jener Zweig soll im Garten eines Herrn Behrens in Lübeck entdeckt und im Jahre 1858 zuerst verbreitet worden sein. Im Unterelsaß nennt man ihn Rosenapfel, sonst führt er außer dem obigen keinen an- deren Namen.

Literatur: Ill. Handbuch, Nr. 82; Engelbrecht, Deutschlands Apfelsorten, S. 33.

Gestalt: Dem gelben Gravensteiner sehr ähnlich, 65 70 mm hoch und meist ebenso breit. Nach dem Stiel zu ist die Frucht am breitesten; sie rundet sich nach unten flach ab, und verjüngt sich etwas nach dem Kelch zu. Starke, kalvillartige Rippen ziehen sich vom Kelch aus fast über die ganze Frucht und machen den Querschnitt etwas eckig.

Kelch: Halboffen, in einer tiefen Einsenkung, Kelchblätter sehr lang und breit, stark zurück- geschlagen und mit einem grauen, wolligen UÜberzug. Kelchhöhle von deutlich hervortretenden Rippen eingefatzt.

Stiel- Kurz und mittelstark, in einer engen und tiefen Stielhöhle, selten über die Fruchtwölbung hervorragend.

Schale: Grundfarbe schon am Baume lebhaft gelb. Die roten Streifen und Flammen, die beim gelben Gravensteiner vereinzelt auf der Sonnenseite sich zeigen, sind beim roten Gravensteiner so dicht aneinander gelagert, daß sie der Frucht wenigstens auf der Sonnenseite einen ganz roten Ausdruck ver- leihen und die Grundfarbe nur wenig zum Vorschein kommen lassen. Kleine, dunkelrot umkreiste Punkte sind über die ganze Frucht verteilt. Die Schale ist glatt und glänzend, in der Reife mit einem Fetthauch überzogen. Geruch eigenartig schön und stark ausgeprägt.

Fleisch: Gelblich, mürbe und saftig, köstlich gewürzt.

Kernhaus: Weit offen, mit geräumigen Kammern. Kerne meist unvollkommen, von hellbrauner Farbe.

Eigenschaften der Frucht.

Der rote Gravensteiner erfreut sich in gleichem Maße wie seine Stammsorte, der gelbe Gravensteiner, der höchsten Wertschätzung. Feinschmecker ziehen freilich den einfarbigen Graven- steiner, der nach dem Urteil der meisten unserer Mitarbeiter einen noch edleren Geschmack als der rote besitzt, diesem vor. Es gibt aber auch weite Kreise, denen die leuchtend rote Farbe des roten Gravensteiners als ein besonderer Vorzug erscheint, und die deshalb für ihn die gleichen Preise wie für jenen bezahlen.

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