Lucienkirsche.
Reifezeit: Dritte Woche der Kirschzeit.
Name und Hteimat. Nach Truchseß ist diese Sorte vom Rentmeister Uellner auf dem von Scheuterschen Gute Alt-Lüneburg in der Nähe von Bremen aufgefunden und ihm als Edelreis schon im Jahre 1806 übermittelt worden. Uber ihre Verbreitung in anderen Gegenden haben wir keinerlei Mit- teilungen erhalten können. In der Provinz Sachsen ist sie viel verbreitet, besonders in den Kreisen Delitzsch, Querfurt und im Saalkreise. Sie führt in Querfurt und im Saalkreise den Namen„Gänseherzchen“, in der Delitzscher Gegend„Wasserkirsche“, auch„Glaskirsche“ und„WMasserbigarreau“(im Volksmund „Wasserperu“).
Literatur: IlIl. Handbuch Nr. 29; Truchseß S. 228.
Gestalt: Mittelgroß, stumpfherzförmig, fast ebenso breit wie lang, aber doch mehr länglich aussehend, 20 mm hoch, 20 mm breit, 17 mm dick. Nach dem Stiel zu abgeflacht, nach dem Stempelpunkt hin verjüngt, rundlich auslaufend. Auf beiden Seiten schwach gefurcht. Stempelpunkt fast obenauf sitzend.
Stiel: Lang und dünn, meist gebogen, 5— 5 ½ cm, gelbgrün und in ziemlich flacher, nach der Rückenseite schräg abfallender Einsenkung.
Haut: Dünn aber ziemlich zähe. Grundfarbe trübgelb, mit freundlichem Rot auf der Sonnenseite und besonders nach dem Stiele zu, während die Spitze auffallend hell erscheint(mehr als dies auf der farbigen Abbildung hervortritt). Schattenfrüchte bleiben auffallend hell gefärbt. In dem Rot finden sich sehr zahlreiche helle Punkte, die hier und da fleckenartig verschmelzen.
Fleisch: Sehr zart, weich und saftreich, gelblich-weiß, stellenweise ins Graue übergehend, Geschmack süß, zu arm an Säure; sie löst nicht gut vom Stein.
Stein: Eiförmig, nach der Stielseite eine kleine Spitze bildend, nach unten ein wenig abgestumpft; 10 ½ mm lang, 8 mm breit und 6 ½ mm dick. Auf der Bauchseite eine scharfe Naht, auf der Rücken- seite scharfe, aber flache Furchen, von Afterkanten unterbrochen.
Eigenschaften der Frucht.
Die Lucienkirsche ist eine bunte Herzkirsche, die als Haupteigenschaft sehr reiche Trag- barkeit besitzt, die auch in den Jahren nicht ausbleibt, wenn andere Kirschen versagen. Sie kann daher als ein guter Lückenbüßer angesehen werden, die durch reiche Ernten ersetzt, was ihr an feinem Geschmack abgeht. Die Lucienkirsche ist eine vorwiegend süße Frucht, die wegen dieser Eigenschaft auch von den Konservenfabriken gesucht und viel verarbeitet wird. Da sie zu diesem Zwecke in nicht ganz reifem Zustand geerntet werden muß, so ist sie der Gefahr des schnellen Verderbens nicht ausgesetzt, was bei ihrer Ernte im vollreifen Zustand leicht der Fall sein würde. Zum weiten Versand eignet sie sich nicht. Die im Innern der Krone hängenden Früchte haben einen faden, wässerigen Geschmack, und dies hat ihr die Bezeichnung„Wasserkirsche“ eingetragen. In reichen Kirschjahren drücken die großen Ernten dieser Sorte sehr auf die Marktpreise der anderen Sorten, da sie gepflückt sich nicht lange hält. Sie findet leicht Absatz, trotzdem sie für Feinschmecker nicht in Frage kommt. Sie reift etwas ungleich und gibt dadurch keine gleichmäßige Verkaufsware; die Früchte platzen nicht bei Nässe.
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