Ostheimer Weichsel.
Reifezeit: Vierte Woche der Kirschzeit.
Nameèe und Heimat: Aus ihrem Namen darf man schließen, daß Ostheim vor der Rhön als ihre Heimat anzusehen ist, oder daß man wenigstens hier ihre guten Eigenschaften, die zu ihrer Verbreitung Veranlassung gegeben haben, zuerst erkannt hat. Nach den Angaben des Oberförsters Keudell in Nr. 22 des Praktischen Ratgebers für Obst- und Gartenbau, Jahrgang 1909 ist die Sierra Morena in Spanien die eigentliche Heimat der Ostheimer Weichsel. Der Dr. med. Klinghammer, welcher deutsche Truppen im spanischen Erbfolgekrieg als Feldscher begleitete, soll nach beendetem Kriege im Jahre 1714 eine Anzahl junger Stämmchen dieser spanischen Kirschensorte mitgebracht und in die Weinberge seiner Heimat Ost- heim gepflanzt haben. Dort ist diese Sorte bald stark verbreitet worden. Allenthalben, wo Sauerkirschen vorkommen, trifft man auch Kirschbäume unter dem Namen„Ostheimer Weichsel“, aber nicht überall die gleiche Abart, an.
Literatur: Ill. Handbuch Nr. 68, Truchseß S. 512; Sickler Band VI S. 224; Deutsche Obstbau- zeitung, Jahrgang 1906 S. 50, 1908 S. 218, Jahrgang 1912 S. 325.
Gestalt: Mittelgroß, 17 mm hoch, 19 mm breit und 18 mm dick oder auch größer: 19: 22:21 mm; nach dem Stiel zu breiter, nach dem Stempelpunkt hin flach abgerundet. Der Stempelpunkt ist, da er in einem flachen Grübchen sitzt, deutlich sichtbar. Auf der Rückenseite ist die Frucht etwas plattgedrückt, Furchen kaum sichtbar.
Stiel- Verhältnismäßig dick, 4 ½— 5 ½ cm lang, in flacher und weiter, regelmäßiger Stielhöhle, nach oben und unten keulenförmig verdickt; meist gerade und grün gefärbt, oder mit bräunlichem Anflug. Am Stielansatz ist öfters ein kleines Blättchen vorhanden. Die Früchte sitzen meist einzeln, teilweise auch gepaart.
Haut: Dünnschalig, in voller Reife dunkelbraunrot gefärbt, glänzend, an den Furchen etwas heller.
Fleisch: Weich und sehr saftreich, durch feine Säure erfrischend und angenehm schmeckend. Sogenannter Weichselgeschmack.
Stein: Scharf zugespitzt, mit starken, gespaltenen Rückenkanten und einer deutlich über den ganzen Kern hinziehenden, sichtbaren Naht. In voller Reife gut vom Fleisch lösend, 10— 12 mm lang, 8— 9 mm breit und 7— 8 mm dick.
Eigenschaften der Frucht.
Die Ostheimer Weichsel gehört zu den am weitesten verbreiteten und bekannten Sauer- oder Weichselkirschen; sie erfreut sich der größten Nachfrage; sie ist vorwiegend als Einmache- frucht und zur Herstellung von Kirschsaft wertvoll, aber auch zum Tafelgenuß ganz vorzüglich. Die Frucht ist sehr weich und für den Versand auf weite Entfernungen nicht geeignet. Sie hält sich auf dem Baum ziemlich lange und wird zweckmäßig, da sie etwas folgert¹), nach und nach abgeerntet. Für den Anbau im Großen ist dies eine unliebsame Eigenschaft, weil dies die Ernte verzögert.
²) Man bezeichnet mit„folgern“ die Eigenschaft der Früchte einer Obstart, nicht zu gleicher Zeit, sondern nach und nach zu reifen.
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