Königin Hortensie. Reifezeit: Dritte(bis vierte) Woche der Kirschzeit.
Nameèe und Heimat: Schon seit länger als 100 Jahren ist die Königin Hortensie als„Reine Hor- tense“,„Monstrueuse de Bavay“,„Hybride de Laeken“ in Baumschulverzeichnissen geführt worden. Sie scheint nach den Angaben des III. Handbuches in Belgien oder in Frankreich erzogen zu sein, ohne daß ihr genauer Ursprung sich nachweisen ließe. Sie ist aus der Befruchtung von Süß- mit Sauerkirschen hervorgegangen, hat aber vorwiegend Sauerkirschblut in sich aufgenommen. In manchen Gegenden nennt man sie„Königskirsche“.
Literatur: IlI. Handbuch Nr. 58.
Gestalt. Sehr groß, stets unregelmäßig, schief gebaut, von länglicher Form. 23— 24 mm hoch und ebenso breit, 20— 21 mm dick, mit einer geraden Rückenseite und einer stark gerundeten Bauchseite; nach dem Stiel zu unregelmäßig abgeflacht, nach dem Stempelpunkt zu schräg abfallend. Auf der Rücken- seite ist meist eine ganz flache aber breite Furche sichtbar, während auf der Bauchseite sich mitunter eine flache Linie herunterzieht. Vom Stempelpunkt aus betrachtet bildet die Frucht dadurch zwei deut- lich sichtbar verschiedene Hälften. Der Stempelpunkt liegt in einer flachen, abgeplatteten Vertiefung.
Stiel: Dünn und hellgrün, in einer tiefen und engen Höhlung, 4— 4 ½ cm lang. Der Stiel ist sehr fest mit dem Fruchtholz verwachsen, und er wird deshalb sehr häufig dem Fruchtholz beigemessen. Die Angaben über die Stiellänge weichen dadurch wesentlich von einander ab. Mit dem Fruchtholz, das meist
mit dem Stiel abgepflückt wird, sind zwei lang zugespitzte Blattknöspchen mit einem oder zwei kleinen Blättchen verwachsen.
Haut: Die Grundfarbe der noch nicht ganz reifen Frucht ist ein unreines Gelb, das mit zunehmender Reife mattglänzend wird, durchscheinend, etwa wie bei den Glaskirschen. Auf den ersten Blick erscheint die Frucht einfarbig; bei genauer Beobachtung findet man aber ganz feine Punktierungen, die nach dem Stempelpunkt hin deutlicher hervortreten. Die Haut ist außerordentlich fein.
Fleisch: Grau, äusserst zart und saftreich, von angenehm säuerlichem, erfrischendem Geschmack.
Stein: Groß, von länglich-ovaler Form, fast ohne Kanten, 12 mm lang, 8 mm breit und 6 mm dick.
Eigenschaften der Frucht.
Die Königin Hortensie ist die unbestrittene Königin der Kirschen. Außerlich fällt sie durch ihre Größe und durch ihre durchsichtige, leuchtend rote Farbe, sowie durch die zierlichen Blättchen am Fruchtstiel auf; sie bildet eine Tafelzierde wie kaum eine andere Sorte. Mit dieser äußeren Schönheit verbindet sie einen köstlichen Geschmack, gegenüber dem alle anderen Sorten abfallen. Wem es vergönnt ist, diese edle Tafelfrucht unmittelbar vom Baum zu essen, der wird erst den vollen Wert der Hortensie schätzen lernen. Ihre erfrischende Säure wirkt so anregend, daß das Gefühl der UÜbersättigung, das bei dem reichlichen Genuß süßer Kirschen sich sonst sehr bald einstellt, sich niemals fühlbar macht.
Die Hortensie ist durch ihr weiches Fleisch und durch ihre dünne Haut leider sehr empfind- lich. Wind und Regen machen sie leicht fleckig, und auch beim Versand leidet sie an ihrem schönen Aussehen. Sie ist deshalb meist nur auf den Verkauf in der Nähe angewiesen und auch dann bedarf sie der sorgfältigsten Behandlung. Sie erzielt fast immer doppelt so hohe Preise als andere gleichzeitig reifende Sorten. Wer den etwas höheren Preis nicht scheut und sie frisch und in gutem Zustande erhalten kann, der benutze sie zum Einmachen. Es gibt keine zweite Kirschensorte, die eingemacht gleich fein schmeckte.
Eigenschaften des Baumes.
Der Wuchs der Königin Hortensie ist in der Jugend mittelstark und aufrecht. Mit fort- schreitendem Alter nehmen die Zweige eine hängende Haltung an, besonders wenn sie auf Sauerkirsche oder Steinweichsel veredelt sind. Auf Süßkirschwildling bleibt der Wuchs bis ins Alter aufrecht und hochstrebend. Man sollte die Hortensie nur auf Steinweichsel(Mahaleb) ver- edeln, weil sie auf dieser Unterlage am dankbarsten trägt; auf Sauerkirsche sind die Erträge schon geringer und am geringsten auf Süßkirsche. Hieraus erklären sich auch die verschiedenen,
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