Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Königliche Amarelle.

Reifezeit: Dritte Woche der Kirschzeit.

Name und Heimat: Vermutlich ist die Königliche Amarelle französischen Ursprungs und als Cerise à courte queue oder alsCerise de Montmorency nach Deutschland gekommen. Von Sickler wurde sie unter dem NamenKleine frühe Amarelle undFrühe Glaskirsche beschrieben. Am Petersberge im Saalkreise ist sie unter dem NamenFrühe Sauerkirsche viel angebaut. Sie ist eine alte, weitverbreitete Amarelle, aus der manche Spielart hervorgegangen ist.

Literatur. Illustriertes Handbuch Nr. 104, Sickler, Seite 611.

Gestalt. Rundlich, an den Enden plattgedrückt, mehr breit als hoch, 17 mm hoch, 1920 mm breit und 15 16 mm dick. Auf der Rückenseite zieht sich eine deutliche Linie herunter. Der Stempelpunkt sitzt in einer flachen Einsenkung.

Stiel: Gleichmäßig 3 cm lang, ziemlich dünn, in der Regel grün, mitunter auch etwas rötlich, Stiel- einsenkung flach und weit.

Haut: Fast durchsichtig, leuchtend rot und glänzend, nach dem Stempelpunkt etwas heller. Mit zunehmender Reife fällt die Durchsichtigkeit weniger auf, und es tritt an deren Stelle ein dunkleres Rot.

Fleisch: Sehr saftig, mit deutlich hervortretender, angenehmer Säure; gut vom Stein lösend. Auf der farbigen Abbildung ist die Farbe des Fleisches zu dunkel.

Stein: Klein und rundlich, 8 mm hoch, 8 mm breit und 6 mm dick, am Rücken scharfkantig, aber nach der Spitze abgeschrägt.

Eigenschaften der Frucht.

Unter der BezeichnungKönigliche Amarelle sind eine größere Anzahl von Spielarten der eigent- lichen Königlichen Amarelle verbreitet. Darauf lassen schon die Beschreibungen in den pomologischen Werken und Fachzeitschriften schließen. Im Volksmunde heißen diese Sorten kurzwegAmarellen oderAmmern, und die feineren Unterschiede dieser Abarten bleiben in der Regel unbeachtet. Zwei dieser Abarten glauben wir besonders hervorheben zu müssen, erstens die Diemitzer Amarelle, die in dem vorliegenden Hefte von Deutschlands Obstsorten besonders abgebildet und besprochen ist und zweitens eine Abart, die im Provinzial-Obstgarten zu Diemitz von dem Obstzüchter Herrn Puhlmann in Werder a. d. Havel unter der BezeichnungKurzstielige als Reis bezogen wurde.

Alle diese Amarellen erfreuen sich großer Beliebtheit, sie werden vom Publikum als die ersten frühen, säuerlichen Kirschen gerne gekauft und zum Kuchenbacken bevorzugt. Zum Ein- machen werden sie ebenso gerne verarbeitet und sind auch zum Rohgenuß sehr geschätzt.

116