Diemitzer Amarelle.
(Früher fälschlich als„Schöne von Choisy-Diemitz“ bezeichnet.) Reifezeit: Zweite bis dritte Woche der Kirschzeit.
Nameèe und Heimat: Unter dem Namen„Schöne von Choisy“ wurden Edelreiser dieser Sorte aus der Baumschule des Herrn Herrmann in Zeitz bezogen und in dem Diemitzer Kirschsortiment aufgepfropft. Der eigentliche Ursprung des Mutterbaumes dieser Sorte ließ sich nicht mehr feststellen. Die Sorte wurde in Diemitz durch ihre guten Eigenschaften sehr bald begehrt und durch Abgabe von Edelreisern schnell verbreitet. Daß der Name„Choisy“ einer anderen Sorte zukam, und daß die in Diemitz als Schöne von Choisy geführte Sorte nicht mit der im IIlustrierten Handbuch beschriebenen übereinstimmte, wurde erst festgestellt, nachdem Edelreiser davon abgegeben waren. Zunächst wurde dann zum Unterschied von der wirklichen Schönen von Choisy der Zusatz„Diemitz“ gegeben. Später wurde von der Sortenprüfungs- kommission des Deutschen Pomologen-Vereins beschlossen, statt dessen die Sorte„Diemitzer Amarelle“ zu nennen, weil sieé eine Amarelle und keine Glaskirsche ist. Dieser Name ist deshalb zukünftig auch allein beizubehalten. Jedenfalls ist sie eine Spielart der Königlichen Amarelle.
Literatur: Deutsche Obstbauzeitung, Jahrgang 1908, S. 217 unter Schöne v. Choisy.
Gestalt: Rundlich, 16— 18 mm hoch, 17— 19 mm breit und 17 mm dick, nach dem Stiel zu abge- plattet; nach dem Rücken zieht sich eine deutliche Linie herunter. Der Stempelpunkt sitzt fast oben auf oder in einer ganz flachen Einsenkung.
Stiel: Dünn(die farbige Beilage läßt den Stiel viel zu dick erscheinen) 3 ½— 4 ½ cm lang, hell- grün gefärbt, und in einer regelmäßigen, flachen Vertiefung. An den Fruchtstielen befindet sich öfters ein Blättchen, das aber meist schon vor der Vollreife abfällt.
Haut: Leuchtend gelbrot, durchsichtig, glasig, fast einfarbig, ohne Punktierung, sehr dünn.
Fleisch: Sehr saftig und angenehm säuerlich. Auf der farbigen Beilage, namentlich unter der Haut, ist das Fleisch zu dunkel gezeichnet; es ist meist heller als bei der Königlichen Amarelle.
Stein: Sehr klein, 8 ½ mm hoch, 7 mm breit und 5 ½ mm dick; rundlich bis oval, scharfkantig, besonders nach der Spitze, die aber wieder abgeflacht ist. Furchen sind an der Rückenkante nicht vor-— handen. Der Stein löst gut vom Fleisch, ist aber mit dem Stiel fest verwachsen, so daß er sich leicht mit dem Stiel herausziehen läßt.
Eigenschaften der Frucht.
Die Diemitzer Amarelle hat mit seltenen Ausnahmen alljährlich die Besucher der in Diemit⸗ veranstalteten Kirschschauen durch ihre reiche und gleichmäßige Tragbarkeit entzückt; es konnte deshalb nicht ausbleiben, daß jeder unter dem Eindruck der Fülle von Früchten gerade diese Sorte anzubauen und weiter zu verbreiten suchte. Ihre Khnlichkeit mit der Königlichen Amarelle wurde bei ihrer alljährlichen Tragbarkeit bald erkannt, und von Jahr zu Jahr wurden die Unter- schiede, die man an der Frucht, am Baum, an Blüte und an den Blättern wahrnahm, aufgezeichnet
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