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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Rote Maikirsche. Reifezeit: Dritte Woche der Kirschzeit.

Name und Heimat: Der Ursprung der Roten Maikirsche ist nicht mehr nachweisbar. Man findet sie in pomologischen Mitteilungen schon seit über 100 Jahren verzeichnet. Sie ist eine der verbreitetsten Sorten, die an ihrem Baumwuchs am leichtesten zu erkennen ist. Auf den Fahnerschen Höhen ist sie in großer Zahl verbreitet; auch ist sie in der Zeitzer Gegend unter dem NamenMaiammer viel ange- pflanzt. Vereinzelt findet man sie auch unter dem NamenDoppelte Maikirsche. In England führt sie den NamenMai duke.

Literatur: Ill. Handbuch, Nr. 50. Truchseß, S. 377; Sickler, Bd. XXII, S. 17; Deutsche Obst- bauzeitung, Jahrgang 1907, S. 226.

Gestalt: Mittelgroß bis groß. Nach dem Stempelpunkt zu ein wenig verjüngt, aber doch abge- plattet. Der Stempelpunkt ist durch seine hellgraue Farbe deutlich sichtbar. Die Frucht hat eine stark hervortretende Rückennaht und eine etwas schwächer sich abhebende Bauchnaht, welche in einem ziem- lich tiefen, gekerbten Grübchen enden. Sie hat eine deutlich plattgedrückte Form und mißt in der Regel in der Höhe 18 mm, in der Breite 20 mm und in der Dicke 18 mm, aber mitunter in allen Maßen auch wesentlich mehr.

Stiel: Dünn und mittellang, 4 ½ bis 5 cm, hellgrün gefärbt, mit einem rötlichen Anhauch am Ein- satz der Frucht; schwach gekrümmt oder gerade, in einer gleichmäßig weiten und tiefen Einsenkung.

Haut: Mattglänzend und dünn, dunkelrot und in der Vollreife braun gefärbt; etwas glasig durch- scheinend.

Fleisch: Weich und sehr saftreich, von außerordentlich feinem, süßsäuerlichem Wohlgeschmack. Im Durchschnitt verhältnismäßig hell, mit weißlichen Adern durchzogen.

Stein: Klein, rundlich geformt, mit ganz schwach hervortretenden Furchen. Löst gut vom Fleisch. 9 ½ mm hoch, 8 ½ mm breit und 7 mm dick.

Eigenschaften der Frucht.

Wer, durch den Namen verleitet, annimmt, in dieser Sorte eine im Mai reifende Frucht zu finden, wird enttäuscht sein, weil die Frucht meist erst im ersten Drittel des Juli reift. Dafür ist die Rote Maikirsche aber zu den edelsten Süßweichseln zu zählen, und sie kann sich fast mit der Königin Hortensie um den Rang der feinsten Tafelkirsche streiten. Ihre hervortretende feine Säure verleiht ihr solche erfrischende Eigenschaft, daß sie auf den Märkten gern ge- kauft wird. Sie ist gegen Druck und Nässe empfindlich, verträgt daher im hochreifen Zustand keinen zu weiten Versand. In Thüringen wird sie sehr viel als Einmachefrucht verwendet und hoch bezahlt. Das Aroma tritt bei den eingemachten Früchten in gleichem Maße wie bei der frisch gegessenen Frucht hervor. Die Früchte der Roten Maikirsche reifen nicht alle gleichzeitig, so daß sie in verschiedenen Zeitabschnitten gepflückt werden müssen.

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