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Türkine.
(Nach dem IIlustr. Handbuch= Flamentiner.) Reifezeit: Ende der ersten, Anfang der zweiten Woche der Kirschzeit.
Name und Heimat: Seit mehr als 100 Jahren baut man auf den Fahnerschen Höhen im Herzog- tum Gotha und in ihrer Umgebung unter dem Namen„Türkine“ eine Kirschsorte, zu welcher der Pfarrer Sickler im Jahre 1794 von den Pomologen Christ und Truchseß die ersten Reiser erhielt. Wo die Sorte entstanden ist, läßt sich nicht nachweisen, wohl aber weiß man, daß die„Türkine“ ursprünglich den Namen„Flamentiner“ führte und daß sie nur durch eine Verwechslung, die durch Pfarrer Sickler mit Reisern der Flamentiner entstand, den Namen„Türkine“ erhielt. Nachdem aber die Sorte unter diesem falschen Namen ein Jahrhundert hindurch von den Fahnerschen Höhen aus verbreitet worden war, und ihr Anbau eine solche Ausdehnung erlangt hatte, daß sie als die Hauptsorte des ganzen Gotha'schen Kirsch- anbaues bezeichnet werden kann, wäre es ein ganz unnützes Verlangen, wenn man von den dortigen Züchtern forderte, daß sie den landläufigen Namen mit dem in der pomologischen Wissenschaft ursprünglich er-— teilten Namen vertauschen sollten. Deshalb haben wir es auch für richtiger angesehen, unter„Türkine“ die Sorte zu beschreiben, um so mehr, als wir annehmen dürfen, daß die eigentliche Türkine außer in Sortimentsgärten nirgends verbreitet und auch eine wertlose Sorte ist.
Literatur: Ill. Handbuch Nr. 24 unter dem Namen Flamentiner und Truchseß, Nr. 19 Seite 211 als Flamentiner. Deutsche Obstbauzeitung, Jahrgang 1907 Seite 214.
Gestalt. Mittelgroß bis groß, 20— 25 mm hoch, 20— 22 mm breit, 18— 20 mm dick, je nach dem ihr zusagenden Standort; nach dem Stiele zu abgeflacht, nach dem Stempelpunkt hin abgerundet. Der größte Durchmesser liegt nahe am Stielende. Auf der Rückenseite zieht sich vom Stiel bis zum Stempel- punkt eine dunkel gefärbte Furche entlang, während diese auf der Bauchseite nur schwach angedeutet wird. Der Stempelpunkt sitzt in einem nicht sehr tiefen, gleichmäßig runden Grübchen.
Stiel: Meist ganz grün, zuweilen mit einem schwachrotbraunen Anflug auf der Sonnenseite, 4 ½ bis 5 cm, zuweilen bei Schattenfrüchten noch etwas länger, ziemlich stark, in einer nach der Rückenseite ab- fallenden, tellerförmigen Vertiefung sitzend.
Haut: Die gelbe Grundfarbe erscheint fast nur bei Schattenfrüchten, während fast alle Sonnen- früchte ganz mit einem schönen leuchtenden Rot überzogen sind. Das Rot wird durch strichförmige, regelmäßig angeordnete Punkte, die sich von der dunkelroten Grundfarbe abheben, unterbrochen. Die Haut ist sehr dünn und deshalb empfindlich.
Fleisch: Sehr weich und saftreich, von angenehm würzigem Geschmack; in manchen Lagen macht sich zuweilen ein etwas bitterer Beigeschmack bemerkbar, der aber durchaus nicht unangenehm auffällt, sondern die Würze der Frucht noch erhöht.
Stein: Groß, länglich oval, mit stark hervortretenden Rückenkanten und scharfer Bauchnaht, oben und unten abgeflacht. 12 mm hoch, 10 mm breit, 8 mm dick. Löst nicht vollständig vom Fleisch.
Eigenschaften der Frucht.
Die Türkine hat durch ihre weite Verbreitung in den Thüringer Landen und durch ihre Massenanpflanzung auf den Fahnerschen Höhen als Handelsfrucht eine große Bedeutung erlangt, und sie erzielt in Gotha und Umgegend stets höhere Preise als andere dort angebaute Sorten.
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