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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Le Lectier

(Pom. Monatsh. 1903). Reifezeit: Mitte November bis Dezember.

Nameèe und Heimat: Le Lectier ist eine französische Birnsorte; sie wurde gegen Ende des 19. Jahr- hunderts von Transon frères in Orléans in den Handel gebracht und nach Deutschland eingeführt. Die erste Beschreibung dieser Sorte findet man in derRevue horticole. Sie ist nur unter diesem Namen verbreitet.

Gestalt.: Groß bis sehr groß, 95 110 mm lang und 75 85 mm breit. Unregelmäßig und beulig, nach dem Stiel hin stark verjüngt und in eine lange, in den Stiel übergehende, Spitze auslaufend, bei vielen Früchten auch eingeschnürt, nach dem Kelch hin abgerundet oder stumpfkegelförmig abgeschrägt. Nahe vor dem Kelch ist oft noch eine Einschnürung vorhanden. Querschnitt der Frucht fast kantig.

Kelch: Halboffen bis geschlossen, in einer breiten und flachen Einsenkung oder ganz eben, in gleicher Höhe mit dem unteren Fruchtende. Kelchblättchen hornartig und verkümmert, von deutlich her- vortretenden Fleischperlen umgeben und von scharfen Rippen eingefaßt, die sich bis zur Mitte des Bauches hinauf erstrecken.

Stiel: Kurz und dick, 20 30 mm lang und holzig, sitzt fast ohne Absatz auf der etwas abge- stumpften Spitze der Frucht oder geht, fleischig sich verdickend, in die Frucht über, im oberen Ende holzig, gekrümmt und schief abstehend.

Schale: Schmutziggrün, in voller Reife gelb werdend, mit zahlreichen Rostpunkten und kleineren Rostfiguren, die am Stiel fast zusammenhängend erscheinen und strahlenförmig auslaufen.

Fleisch: Gelblich-weiß mit grünlichem Schimmer unmittelbar unter der Schale; fein und sehr saft- reich, mit herbem, aber nicht unangenehmem Beigeschmack, in rauhen Lagen etwas steinig.

Kernhaus: Klein und von dicken Steinchen deutlich abgegrenzt, Gefäßbündel treten in der Längs- achse sichtbar hervor, ganz wenig hohlachsig. Kammern klein, Kerne breit und sehr lang zugespitzt mit einem Höcker am unteren Ende.

Eigenschaften der Frucht.

Le Lectier hat sich trotz ihrer einfarbig-grünen Schale und den vielen Unebenheiten ihrer Form unter den Neuzüchtungen der letzten Jahrzehnte einen bevorzugten Platz erworben. Die Frucht hat in ihrer Form und Farbe Aehnlichkeit mit der Grumkower und mit Six' Butterbirne, von denen sie sich äußerlich hauptsächlich durch die Größe und ferner dadurch unterscheidet, daß sie zur Zeit ihrer Genußreife ein freundlicheres Aussehen als diese bekommt, weil die ursprünglich grüne Farbe dann in eine gelbe übergeht. Die Größe der Frucht in Verbindung mit ihrer Halt- barkeit verleihen ihr die Eigenschaften einer Marktfrucht. Anfangs Oktober geerntet, hält sie sich, oft namentlich, wenn sie in rauher Lage gewachsen ist bis über Weihnachten hinaus frisch, und sie genügt den um diese Jahreszeit an die Güte des Geschmackes gestellten Ansprüchen vollkommen. Sie hat sich bis jetzt überall, wo sie auch bisher verbreitet wurde, schnell An- erkennung zu verschaffen gewußt und in den Obstgeschäften größerer, deutscher Städte gehört sie zu den begehrten späten Herbstsorten, die sehr befriedigende Preise erzielen. Beim Fort- schaffen aus kühlen Kellerräumen auf die Tafel ist ihre Schale im vollreifen Zustand schon gegen

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