Grosser Katzenkopf.
Reifezeit: Dezember bis Anfang Sommer.
Name und Heimat: Die Heimat des Großen Katzenkopfs läßt sich nicht mehr nachweisen. In Frankreich und auch noch an der deutsch-französischen Grenze wird er„Catillac“« genannt. In Bayern, Württemberg und im Bodenseegebiet, in der Pfalz und Priegnitz, auch in Pommern und Mecklenburg heißt er„Pfundbirne“.
Neben den 70 verschiedenen Bezeichnungen, die Mathieu in seinem Nomenclator pomologicus für den Katzenkopf anführt, sei noch erwähnt, daß man im Rheinland noch den Namen„Hotzelbirne“, in Sachsen„Katharinenbirne“ und in Oberhessen„Ochsenknüppel“ hört. Am gebräuchlichsten ist jedenfalls der Name„Katzenkopf“.
Gestalt. Groß bis sehr groß, fast ebenso breit wie hoch, etwa 80— 100 mm, dickbauchig und kreiselförmig, nach dem Kelch zu gleichmäßig und stark verjüngt, aber plattrund abschneidend, nach dem Stiel hin mit einer Einschnürung, im oberen Viertel spitz auslaufend.
Kelch: Auffallend groß und weit offen, mit hornartig verdickten und am Grunde getrennten, auf- recht stehenden und nach innen gebogenen Kelchblättchen. Kelcheinsenkung weit und für die Größe der Frucht flach, von feinen Falten und starken Rippen umgeben. Die Unebenheiten ziehen sich bis zur Mitte des Bauches hinauf und geben dem Querschnitt der Frucht meist eine unregelmäßige Gestalt.
Stiel: Holzig und dünn, 25— 35 mm lang, stets gekrümmt, in einer gleichmäßig schüsselförmigen, flachen Einsenkung, zuweilen von kleinen Falten umgeben.
Schale: Fest und dick, mattglänzend, von mattgrüner Farbe und auf der Sonnenseite von braun- rötlich getupften Flammen umgeben. Zur Reifezeit leicht gelblich, mit zahlreichen feinen, braunen Punkten, die von einem grünlichen Hof umgeben sind, überzogen. Vereinzelt sind kleine Rostfiguren bemerkbar.
Fleisch: Grobkörnig und fest, rübenartig, von gelblich-weißer Farbe, ziemlich saftig und süß, roh ungenießbar, aber in gekochtem Zustande sehr wohlschmeckend.
Kernhaus: Verhältnismäßig klein, durch grobe Steinchen angedeutet. Die Achsenhöhle erscheint wie mit Mehlflocken ausgelegt. Kernkammern lang und geräumig; Kerne sehr flach und sichelartig ge- bogen, in eine lange und schmale Spitze auslaufend.
Eigenschaften der Frucht.
Unter allen Winter-Kochbirnen nimmt diese Birnsorte wohl den ersten Platz ein. Ihre Frucht zählt zu den größten aller Birnen und besitzt, sobald sie auf dem Lager ihre gelbe Farbe an-— genommen hat, auch ein ganz ansprechendes Außere. Vor allen Dingen ist sie aber durch ihre Haltbarkeit bis in den Mai hinein und durch ihren beim Kochen hervortretenden, erfrischenden, säuerlich-süßen Geschmack von besonderem Wert. Dabei ist sie infolge ihrer zähen Schale und ihres festen Fleisches gegen Druck und Stoß ganz unempfindlich, so daß ihre Ernte und Auf— bewahrung keinerlei Schwierigkeiten macht. Die Größe ihrer Früchte bedingt einen gewissen Schutz bei der Auswahl des Standortes, weil sonst die Früchte vor ihrer Reife abfallen. Aber selbst die abgefallenen Früchte lassen sich, wenn sie nicht durch Aufschlagen auf festes Erdreich wunde Stellen bekommen haben, so lange aufbewahren, bis sie zum Kochen verwendet werden. Das Fleisch des Katzenkopf fällt beim Kochen nicht auseinander, färbt sich rötlich und sieht dadurch sehr appetitlich aus. Man läßt die Früchte dort, wo Stürme nicht zu befürchten sind, möglichst lange am Baum hängen. Die Schale färbt sich durch die Herbstsonnenstrahlen viel freundlicher und das macht sie um so früher verkaufsfähig.
Wem das Einmachen von Birnen zu Kompottfrüchten zu mühsam ist, und wer nicht durch den Genuß von sehr aromatischen Früchten wie Williams Christbirne und ähnlichen Sorten ver-— wöhnt ist, der findet in dem Großen Katzenkopf vollen Ersatz.
Auch zum Dörren wird der Katzenkopf empfohlen. Hierfür sind aber manche unserer schnell vergänglichen Herbstbirnen, sofern ihre anderweitige Verwendung ausgeschlossen ist, ent- schieden viel wertvoller und auch feiner.
Eigenschaften des Baumes.
Der Große Katzenkopf gehört zu den stärkstwachsenden Birnensorten. Wenn auch seine Stämme nicht so kerzengerade Schäfte wie z. B. die der Neuen Poiteau bilden, so haben sie doch einen kräftigen und konischen Aufbau und erreichen als einjährige Triebe unter günstigen Verhältnissen durchschnittlich eine Höhe von 1 ½ m. Für Form- und Buschobstkulturen kommt diese Sorte selbstverständlich nicht in Frage und somit braucht die Quitte als Unterlage nicht erwähnt zu werden. Wer sich aber in seinem Hausgarten eine lange haltbare Kochbirne heran- ziehen will und dieser keinen Platz, den ein Hochstamm beansprucht, einräumen kann, der wird
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