Blumenbachs Butterbirne. (IlI. Handb. Nr. 60.)
Reifezeit: Oktober bis Ende November.
Name und Heimat: Sie ist im Jahre 1820 von Esperen gezüchtet und als„Soldat Laboureur“ in den Handel gebracht. Oberdieck erhielt Reiser ohne Namen durch van Mons und taufte sie nach dem Hofrat Blumenbach in Göttingen„Blumenbachs Butterbirne“. Unter der ersten Bezeichnung findet man sie in Deutschland am Rhein, im Elsaß, in Bayern, Baden und an verschiedenen anderen Stellen, während sie in Mittel- und Norddeutschland hauptsächlich als„Blumenbachs Butterbirne“ Verbreitung gefunden hat.
Gestalt. Mittelgroß. 80— 90 mm lang und 55— 65 mm breit, in der Form veränderlich, meist birn- bis glockenförmig, oft aber von kurzem, gedrungenem Bau. Die größte Breite liegt meist in der Mitte der Frucht, nach dem Stiel zu verjüngt sie sich plötzlich stark und ist nach dem Kelch hin abgerundet oder auch schräg abfallend. Im Querschnitt regelmäßig. Oberfläche uneben und beulig.
Kelch: Offen oder halboffen in flacher, unregelmäßiger Einsenkung. Kelchblättchen kräuselig an- geordnet und mit ihren grauen wolligen Spitzen nach innen gebogen.
Stiel: Ziemlich dick und holzig, 20— 25 mm lang, in einer weiten, tiefen Einsenkung oder von einem Fleischhöcker zur Seite gedrückt und gekrümmt.
Schale: Etwas rauh; grünlich-gelb, zur Reifezeit weißlich-gelb, wobei an vielen Früchten ein gold- gelber Ton aus wolkig grünen Teilen zum Vorschein kommt; sehr stark, aber fein punktiert, am Stiel und vereinzelt auf der Frucht selbst Rostfiguren sichtbar.
Fleisch: Weißlich-gelb, fein und saftig, von erfrischendem, melonenartigem Geschmack, in der Regel schmelzend.
Kernhaus: Groß und geschlossen, durch große Steinchen abgegrenzt. Kammern geräumig und mit auffallend breiten, aber platten und vollkommenen Kernen gefüllt. Kerne hellbraun mit einer ganz kurzen, aber scharfen Spitze.
Eigenschaften der Frucht.
Eine Marktbirne kann man Blumenbachs Butterbirne zwar nicht nennen, aber ihre einfarbige, mattglänzende Schale, auf der sich die hellbraunen, über die ganze Frucht zerstreuten Punkte scharf abheben, lassen sie doch so schön erscheinen, daß man auch auf feines Fleisch schließen möchte. Sie erinnert in ihrer Form und Farbe etwas an Williams Christbirne und besitzt auch ebenso wie diese einen eigenartigen Geschmack, der sie aus der Fülle der Herbstbirnen heraus- hebt. Im kalten Boden bleiben die Früchte klein, und in hohen Gebirgslagen werden sie auch mitunter rissig, zumal wenn Fusikladium zerstörend mitwirkt.
Die Früchte dürfen bis zur Baumreife am Baum hängen, ihr Geschmack wird dadurch nicht beeinflußt, und ihre Haltbarkeit erstreckt sich, auch wenn die Ernte erst im Oktober erfolgt, meist über den ganzen November hinaus. In Norddeutschland hält sich die Frucht sogar öfters bis gegen Weihnachten und dort gilt sie als Winterbirne. Wenn der Sommer arm an Wärme und Sonne ist, bleibt die Blumenbachs Butterbirne wohl etwas steinig und im Ge- schmack ausdruckslos.
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