Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Z. B. schreibt uns Herr Uhink-Bühl:Meine ersten pomologischen Studien machte ich an zwei alten, wie Rieseneichen gewachsenen Bäumen der Beurré blanc in meinem elterlichen Garten, von denen wir oft Ernten machten, daß mehrere Wagen damit vollgeladen wurden. Ich trieb mit diesen Birnen einen schwunghaften Tauschhandel und erhielt für die leckeren Früchte von meinen Altersgenossen allerlei Tändeleien, die das Herz eines Jungen erfreuen. Die Absatz- möglichkeit war anfangs der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts noch gering und die delikaten Früchte wurden meist zu Latwerge verarbeitet.

Auch heute gilt die weiße Herbst-Butterbirne noch als eine köstliche Einmachefrucht, aber die wenigen Früchte, die von dieser Sorte auf den Markt kommen, reichen kaum dazu aus, die Nachfrage zu befriedigen. Reine, Fusikladiumfreie Früchte gehören zu den Seltenheiten. Ihre kleine Frucht sticht auch wenig in die Augen und wird deshalb nur von Sortenkennern beachtet. Sie hat, fast möchten wir es glauben, gegen früher auch im Geschmack eingebüßt. In kalten, sonnenarmen Jahren fehlt ihr der Saft und auch die eigenartige Würze. Vielleicht hnängt dies auch mit den Einflüssen des Bodens zusammen. Die Pflückzeit spielt für sie keine Rolle; man kann die Birnen bis zur völligen Baumreife hängen lassen und ihre Haltbarkeit wird dadurch nicht beeinflußt. Herr Peicker-Hertwigswalde machte die Beobachtung, daß er von frei- stehenden Pyramiden viel schmelzendere und gewürztere Früchte erntete als vom Wandspalier.

Eigenschaften des Baumes.

Die weiße Herbst-Butterbirne besitzt ein nur mäßiges Holzwachstum, bildet aber in der Baumschule gerade, konische Stämme. Die Entwicklung der Kronentriebe ist gleichmäßig und aufrecht strebend; sie bildet schöne Pyramiden. Besonders auf Quittenunterlage tritt die Schwach- wüchsigkeit der Sorte zutage, so daß zur Anzucht größerer Formen, sofern der Boden nicht ganz besonders günstig ist, der Birnwildling zur Unterlage verwandt werden muß. Die kleinen, anliegenden Augen stehen eng zusammen. Das hellgrüne Blatt ist flach und länglich zugespitzt, und es wird von einem dünnen, hellfarbigen Blattstiel getragen. Die kleinen, rundlichen Frucht- knospen sitzen an kurzen Fruchtspießen. Die Farbe des Holzes ist hell-ederartig.

Im Alter erhalten die Bäume der weißen Herbst-Butterbirne durch die dünnen, reich ver- zweigten Kronentriebe einen buschigen Charakter, wobei nur die äußersten Spitzen infolge reicher Tragbarkeit herunterhängen. Die Beilage läßt die Eigenart des Kronenbaues sehr gut erkennen. Das Bild wurde nach einer photographischen Aufnahme an der Landstraße von Döllstädt nach Fahner in Thüringen angefertigt.

Die Blüte erscheint früh und dauert lange; sie ist aber gegen Frost und Nässe empfindlich.

Schlechte Eigenschaften.

Wenn man die in der Neuzeit vielfach aufgestellte Behauptung von dem Ausarten und von der Altersschwäche mancher unserer Obstsorten gelten lassen will, so lassen sich bei der weißen Herbst-Butterbirne leicht Beweise hierfür erbringen. Fast sämtliche Urteile unserer Mitarbeiter sprechen sich scharf gegen die Beibehaltung dieser Sorte aus, weil sie fast nirgends mehr ge- sunde Früchte hervorbringe. Die Früchte der weißen Herbst-Butterbirne platzen, bersten, wie