Forellenbirne. (IlI. Handb. Nr. 67.) Reifezeit: Ende Oktober bis Anfang Dezember.
Name und Heimat:- Die Forellenbirne ist eine vom Stiftsamtmann Büttner in Halle a. S. stammende, echte deutsche Sorte. Sie kommt fast überall nur unter diesem Namen vor; zur Unterscheidung von der Nordhäuser Winterforelle nennt man sie neuerdings auch„Herbstforelle“. In Oberfranken, besonders im Bezirksamt Staffelstein, nennt man sie allgemein„Beckenbirne“.
Gestalt: Sehr veränderlich, bald kurz und gedrungen, kreiselförmig, ohne merkliche Einschnürung, wie die Frucht auf der linken Seite, bald länglich glockenförmig, wie die lagerreife Frucht auf der rechten Seite der farbigen Abbildung. Bei vielen Früchten zieht sich vom Stiel bis zum Kelch eine deutliche Kerbe über die ganze Frucht. Die eine Form mißt in der Länge 60— 65 mm, in der Breite 50— 55 mm, die andere in der Länge 80— 85 mm, in der Breite 55— 60 mm.
Kelch: Klein mit hornartigen, weit von einander abstehenden und zurückgeschlagenen, oft auch ver- kümmerten Kelchblättchen. Kelcheinsenkung tief und weit, oft von 3 deutlich hervortretenden Höckern umgeben.
Stiel: Mittellang und auffallend dünn, am Grunde gelblich-grün, nach oben dunkel gefärbt; bei den gedrungenen Früchten in einer regelmätzigen, trichterförmigen Einsenkung; bei den länglichen Früchten nicht so tief eingesetzt und in der Regel von einem Fruchthöcker zur Seite gedrückt.
Schale: Glatt und glänzend. Grundfarbe hellgrün, an der Schattenseite manchmal grünlich mar- moriert, zur Reifezeit hell-zitronengelb, auf der Sonnenseite lachend gerötet, mit großen graubraunen, rot umkreisten Punkten, die an Bachforellen erinnern, in gleichmäßigen Abständen dicht besetzt. Mitunter treten auch kleine Rostflecken auf der Schale auf.
Fleisch: Weiß, vollsaftig und schmelzend, von feinem, eigenartig gewürztem Geschmack.(Der Querschnitt auf der Farbentafel enthält zu viel Gelb.)
Kernhaus: Klein, mit weiten Kammern und hohler Achse. Die Kerne sind breit und, soweit sie vollkommen entwickelt sind, kurz zugespitzt.
Eigenschaften der Frucht.
Die Forellenbirne ist unstreitig eine unserer farbenprächtigsten Herbstbirnen, eine köstliche Tafelzierde und durch ihren saftigen, erfrischenden Geschmack von jedermann begehrt. Schon am Baum erlangen ihre Früchte die leuchtend rote Backe, während der gelbe Grundton erst auf dem Lager in seiner vollen Schönheit durchbricht. Die Anordnung der Forellenpunkte ist meist viel regelmäßiger als dies auf der Farbentafel zum Ausdruck kommt. All die Schönheit kommt aber nur dann zum Vorschein, wenn die Früchte aus Anlagen stammen, die der Forellen- birne zusagen. In den meisten Fällen sind die Früchte so stark vom Fusikladium befallen, daß mehr Schorf-, als Forellenpunkte sichtbar sind. Die Birnen sind dann rissig und unförmlich, klein und verkümmert, und sie haben nicht den geringsten Wert. Sie fangen im trocknen Boden sehr frün an abzufallen und müssen deshalb sehr zeitig geerntet werden. Sie halten sich aber trotzdem, ohne zu schrumpfen, völlig frisch auf dem Lager.
In den meisten pomologischen Werken heißt es, daß die Haltbarkeit der Sorte bis in den Januar hinein währt. Das ist nur so zu erklären, daß sie in schwerem Boden vielleicht später ausreift. In sandigem Boden ist sie meist schon Mitte November vollständig zu Ende. Man beachte diese ihre Eigenschaft wohl. Oft ist sie trotz äußerer Straffheit nach Mitte November innen verfault. Sie ist, im Gegensatz zur Nordhäuser Winterforelle, eine Herbstsorte, und sie darf im vollreifen Zustande nicht mehr versandt werden.
Eigenschaften des Baumes.
Die Forellenbirne ist eine auf Quitte und Wildlingsunterlage gleich gut gedeihende Birn- sorte von kräftigem Wuchs. Eigentümlich scharf hebt sich der Johannistrieb an ihren einjährigen Zweigen ab. Die Augen haben nämlich einen sehr ungleichen Abstand, sie sind bis zum Ab— schluß des ersten Sommertriebes näher aneinander, beim nachfolgenden zweiten Triebe aber sehr weit voneinander gerückt. Aus den eng stehenden Augen am Ende des Johannistriebes bilden sich sehr gern vorzeitige Triebe, die fast im rechten Winkel abstehen und dadurch den
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