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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Liegels Winter-Butterbirne.

(IlI. Handb. Nr. 74.) Reifezeit: Mitte November bis Ende Dezember.

Name und Heimat: Nach den Angaben des IIl. Handbuches konnte der Ursprung der Sorte nicht festgestellt werden. Die einen behaupten, daß sie von Pfarrer Langecker in Buschitz(Böhmen) gezüchtet sei, andere sagen, daß sie in Kopertsch(Böhmen) zufällig aus Samen hervorgegangen sei, und noch an- dere schreiben, daß sie vom Grafen Coloma gezüchtet und als Supréme Coloma durch van Mons an Diel geschickt sei. Wahrscheinlich stammt sie aus Böhmen, wo sich für sie der NameKopertsche Fürstliche Tafelbirne noch erhalten hat. Auch in manchen Obstbaubezirken Süddeutschlands führt sie heute noch letzteren Namen. In Oberfranken nennt man sie auchKugelbirne und in Werder a. H. Amorette.

Gestalt. Mittelgroß bis klein, von gleichmäßiger, kugeliger Form, nach dem Stiel hin bald mehr bald weniger kugelförmig verjüngt und am Stiel manchmal ziemlich breit abschneidend, nach dem Kelch zu abgerundet. Den größten Durchmesser hat sie unter der Mitte der Frucht, die 6070 cm hoch und fast ebenso breit ist.

Kelch: Offen und auffallend regelmäßig geformt; die gut erhaltenen Kelchblättchen sind am Grunde sehr weit verwachsen und legen sich sternförmig glatt an die Frucht an. Der Kelch sitzt fast obenauf, in einer ganz flachen Einsenkung, von der sich schwache Rippen oft bis zur Mitte der Frucht hinaufziehen.

Stiel: Dünn(wesentlich schwächer als auf der farbigen Abbildung) im unteren Teil grün, nach dem Fruchtkuchen hin braun und breiter auslaufend, 20 30 mm lang, mitunter fast aufsitzend, meist aber in einer gleichmäßig geformten, ziemlich breiten und flachen Einsenkung, wie eingesteckt.

Schale: Grasgrün und glatt, zur Reifezeit grünlichgelb, etwas wolkig, mit zahlreichen sehr feinen Punkten und vereinzelten Rostflecken ganz überzogen.

Fleisch: Weiß, nach der Schale hin ein wenig grün schimmernd, schmelzend und sehr saftig, aber in der Regel nur süß und ohne Würze.

Kernhaus: Ziemlich groß, mitunter nur aus vier Kammern bestehend. Kammern geräumig, aber fast ganz ausgefüllt von den lang zugespitzten und an dem unteren Ende mit einem kleinen Ansatz ver- sehenen Kernen.

Eigenschaften der Frucht.

Liegels Winter-Butterbirne kann zwar weder durch die Größe ihrer Frucht, noch durch schöne Farbe ihrer Schale Eindruck machen, denn sie ist weder groß noch schön. Aber den- noch spricht sie an durch ihre regelmäßige, rundliche Form und durch ihre glatte, zarte Schale. Wer auf Kleinigkeiten achtet, kann sich auch über den gleichmäßigen, sternartigen Kelch, der in seiner dunklen Farbe sich deutlich von der grünlich-gelben Schale abhebt, freuen. Dazu ge- hört aber, daß man gut ausgebildete Früchte vor sich hat, die nicht wie es fast überall der Fall ist über und über mit Schorfflecken bedeckt sind. Es ist bei dieser Sorte

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