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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Hofratsbirne. (Ill. Handb. Nr. 227.)

Reifezeit: Mitte Oktober bis November.

Name und Heimat: Die Hofratsbirne wurde von van Mons in Belgien aus Samen gezogen und von ihm 1840Conseiller de la cour benannt. Sie ist in Deutschland nur unter diesen beiden Be- zeichnungen bekannt.

Gestalt: Groß, 80 110 mm lang und 60 75 mm breit, kreisel- bis birnförmig, meist schief ge- baut, So daß der Kelch zu seitlich angesetzt erscheint. Die größte Breite hat die Frucht im untern Drittel. Nach dem Kelch ist sie flach abgerundet; nach dem Stiel hin verjüngt sie sich fast gleichmäßig, nur zu- weilen ist sie im oberen Drittel stärker eingeschnürt. Im Querschnitt ist sie fast rund.

Kelche Fast oben aufsitzend, offen und regelmäßig entwickelt. Kelchblättchen hornartig, mit etwas umgeschlagenen Spitzen von brauner Farbe und wolligem Ueberzug.

Stiel- Mittellang, 25 35 mm, von zimtbrauner Farbe und gebogener Form, durch einen Fleisch- höcker meist zur Seite gedrückt, in ganz flacher Einsenkung.

Schale: Anfangs hellgrün, später mattgelb, fast einfarbig. Dicke braune Punkte finden sich über die ganze Frucht ziemlich gleichmäßig zerstreut; sie geben der Frucht eine rauhe Schale. Am Stiel, mit- unter auch um den Kelch herum, tritt meist zusammenhängender Rost auf, während sich auf der übrigen Schale vereinzelte Rostfiguren bilden.

Fleisch: Weiß, sehr saftig und fein gewürzt, aber nicht ganz schmelzend; ihre angenehme Säure gibt der Hofratsbirne einen besonderen und eigenartigen Geschmack.

Kernhaus: Klein zur Größe der Frucht, durch sehr feine Steinchen umgrenzt. Kammern ziemlich schmal und mit unvollkommenen, fast schwarzen Kernen ausgefüllt.

Eigeuschaften der Frucht.

Die Hofratsbirne galt bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts als eine begehrte Handels- sorte, die durch ihre Größe und Würze ansprach und den Käufer in jeder Weise befriedigte. Sie hat ihren Rang aber in der Neuzeit nicht bewahrt, weil zu ihrer Reifezeit freundlicher gefärbte Birnensorten viel am Markte sind und ferner auch deswegen, weil sie keine Eigenschaften besitzt, die sie anderen Herbstsorten gegenüber besonders auszeichnet. Die Frucht ist immerhin, trotz ihrer matten Färbung, ansehnlich, und sie bleibt auch frei von Pilzbefall. Auch verträgt sie gut den Versand, ausgenommen wenn sie in vollreifem Zustand verfrachtet wird. In den Berichten wird von fast allen unseren Mitarbeitern ihre Widerstandsfähigkeit in stürmischen Lagen hervorgehoben, weshalb man sie in windigen und selbst in stürmischen Lagen empfehlen sollte, zumal sie im Geschmack manche andere, viel verbreitetere Sorte übertrifft. Ihre Haltbarkeit ist,

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