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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Trotz der Größe ihrer Früchte hört man keine Klagen darüber, daß selbst in windigen Lagen durch Abfallen der Früchte vor der Erntezeit mit großen Verlusten zu rechnen wäre. Man kann sie daher bis zur vollen Baumreife hängen lassen.

Ihre Haltbarkeit dauert in der Regel bis Anfang oder Mitte November. Trotz ihrer dünnen Schale kann sie unbedenklich selbst dann noch versandt werden, wenn ihr Fleisch beginnt mürbe zu werden. Sie muß auf dem Lager scharf beobachtet werden, damit der rechte Zeit- punkt für ihren Verbrauch nicht verpaßt wird. Denn äußerlich läßt sie, wie es auch bei vielen anderen Obstsorten der Fall ist, ihren Reifegrad durch Verfärben der Schale nicht erkennen; sie ist in ihrem Innern oft schon ganz teigig und in Fäulnis übergegangen, wenn sie äußerlich noch den Anschein einer baumreifen Frucht hat. Die große Fruchtbarkeit hat dieser Sorte sicherlich eine weit größere Verbreitung verschafft, als es ihre Güte rechtfertigt.

Sie besitzt den Vorzug, eine gute Döfrrfrucht zu sein, so daß man sie bei ihren reichen, fast jährlich eintretenden Ernten auch zum Dörren gut verwenden kann.

Eigenschaften des Baumes.

Die Neue Poiteau gehört zu den am stärksten wachsenden Sorten, und sie wird weit und breit für viele schwach wachsende Sorten in den Baumschulen zur Stammbildung verwendet. Sie bildet prächtige, schöne Schäfte und ihre einjährigen, gelblich-braunen Triebe haben daran ein besonderes Kennzeichen, daß ihre Spitze stärker ist als der Trieb in der Mitte. Ihre auf- fallend dicken Knospen und ihre rundlichen, leicht gerollten Blätter bilden weitere Erkennungs- merkmale.

Die Neue Poiteau wächst überall, und sie bildet schöne Kronen, die jeden Schnitt ver- tragen, ohne daß sie ihn gerade nötig hätten; ihre Knospen gelangen nach dem Rückschnitt willig zum Austreiben. An den Boden stellt sie sehr geringe Ansprüche. Sie ist eine der wenigen Sorten, die in rauher, bergiger Lage ebenso gut wie in nebligen Tälern gedeihen. Hohe Lagen sind sogar wärmeren vorzuziehen, wenn der Geschmack ihrer Früchte befriedigen soll.

In der Tragbarkeit ist sie fast unerschöpflich. Schon früh beginnend, trägt sie fast regel- mäßig und reichlich und bildet dabei hochwachsende, kräftige Bäume, die trotz der Fülle großer Früchte sich kaum erschöpfen und ein hohes Alter erreichen. Die Beilage nach einem Baum aus den Freiherrlich von Friesenschen Obstanlagen in Rötha hergestellt läßt diesen kraftvollen Wuchs erkennen.

Auf Quitte und Wildlingsunterlage gedeiht die Poiteau gleich gut, für Formbäume muß aber wegen ihres kräftigen Wachstums unbedingt die Quitte verwendet werden. In jeder Form ist die Poiteau dankbar, sie bedarf aber nicht einer regelmäßigen Spalierform, weil ihre Früchte an freistehenden Bäumen ebenso vollkommen werden. Sie eignet sich auch zur Anpflanzung an Straßen, denn ihre äußerlich wenig bestechenden Früchte schließen den Obstdiebstahl so gut wie ganz aus. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten läßt sie überall dort weiterer Anpflanzung wert erscheinen, wo man mit ihrem Geschmack zufrieden ist und Aussicht für den Absatz ihrer Früchte hat.

Die Blütezeit ist mittelfrüh und von langer Dauer; ihre Unempfindlichkeit gegen naßkalte Witterung ist die Ursache ihrer regelmäßigen Fruchtbarkeit.

Wer nicht wählerisch ist und nur nach früh und reich tragenden Sorten verlangt, die in der Behandlung keine Schwierigkeiten bieten, der mag die Neue Poiteau pflanzen.