Neue Poiteau. (Ill. Handbuch Nr. 303.)
Reifezeit: Anfang Oktober bis Mitte November.
Nameèe und Heimat: Eine Sorte französischen Ursprungs, die von Simon Bouvier in Jodoigne gezogen und nach dem Schriftleiter der Berichte der Pariser Gartenbaugesellschaft benannt ist. Sie führt allgemein und fast ausschließlich diesen Namen. Nur in Kulmbach kommt sie wohl auch unter dem Namen„Grüne Flaschenbirne“ zum Verkauf.
Gestalt: Groß bis sehr groß, 95— 105 mm lang, 65— 70 mm breit. Die größte Breite liegt unmittelbar unter der Mitte. In der Form sehr veränderlich und unregelmäßig, oft auf einer Seite dickbäuchig aus- gewachsen und auf der entgegengesetzten eingeschnürt; nach dem Kelch hin schräg abfallend, aber doch unten so breit und glatt, daß man sie aufrecht hinstellen könnte. Nach dem Stiel zu entweder ganz glatt und kugelförmig verlaufend und in den Stiel aufgehend; mitunter auch im obersten Viertel stark ein- geschnürt.
Kelch: Unvollkommen, halboffen, stark hornartig, mit kurzen, nach innen zusammenliegenden Kelch- blättchen, von starken Beulen umgeben und in einen schmalen, tiefen Schlitz eingebettet.
Stiel: Dick, im unteren Teil fleischig und faltig, nach oben holzig und in eine breite Verdickung auslaufend, etwa 20— 25 mm lang. Der Stiel setzt sich meist in der krummen Linie des Rückens der Frucht gleichmäßig fort, oder er wird von Fleischwülsten scharf seitwärts gedrückt und erscheint dadurch wie eingesteckt.
Schale- Grasgrün bis schmutzig gelbgrün, zur Reifezeit wenig verändert, aber ziemlich dünn. Dicke, man möchte sagen, schorfartige graubraune Punkte bedecken den größten Teil der Frucht und lassen sie rauh erscheinen. Stellenweise sind diese Punkte zu Rostflecken und Rostfiguren verdichtet und machen die Frucht unansehnlich.
Fleisch: Gelblichweiß, nach der Schale hin grünlich verlaufend, weich und ziemlich saftreich, süß aber ohne Würze, feinkörnig.
Kernhaus: Klein und durch feine Körnchen nur schwach angedeutet. Kammern eng mit lang zu— gespitzten, schwarzen, aber meist unvollkommenen Kernen gefüllt.
Eigenschaften der Frucht.
Auch wenn man mit verschiedenen Geschmacksrichtungen der Berichterstatter rechnet, so fällt das Urteil über die Neue Poiteau doch so auffallend verschieden aus, daß es schwer fällt, ein bestimmtes Urteil festzusetzen. Dort ist sicher nicht der richtige Maßstab angelegt, wo man die Poiteau als eine der feinsten und wohlschmeckendsten Herbstbirnen bezeichnet hat. Es geht aber aus den Berichten unserer Mitarbeiter unbestreitbar hervor, daß sie, und zwar besonders in kalten, rauhen Lagen tatsächlich diese guten Geschmackseigenschaften besitzt. Dadurch würde sie für solche Gegenden, die nicht mehr zu den besten oder auch nur zu den guten Birnenlagen gehören, Beachtung verdienen. Demgegenüber schreibt die größere Zahl unserer Berichterstatter, daß die Neue Poiteau zwar groß und saftig, aber ohne eigentliche Würze sei, und daß sie niemals eine Markt- oder Handelsfrucht genannt werden könne. Das ist auch schon durch ihre in Form und Farbe weniger ansprechenden Früchte bedingt.
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