Prinzessin Marianne. (IIlI. Handbuch Nr. 31.)
Reifezeit: Ende September bis Anfang Oktober.
Name und Heimat: Die Prinzessin Marianne ist schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland bekannt. In Norddeutschland wurde sie häufig als„Frühe Bosc“ oder als„Calabasse Bosc“ verbreitet. Eine gewisse Ahnlichkeit mit der echten Bosc's Flaschenbirne gibt vielfach zu Verwechslungen Veranlassung. Nach den Angaben des Ill. Handbuches ist sie von van Mons gezüchtet und nach einer niederländischen Prinzessin benannt worden. Auf dem Berliner und Werderschen Markt wird sie vielfach als Kaiserkrone verkauft. Auch unter dem Namen„Salisbury“« kommt sie aus Böhmen auf den Ber-— liner Markt.
Gestalt: Mittelgroß, in der Regel flaschen- bis birnförmig, 92— 100 mm lang und 60—75 mm breit. Im unteren Drittel hat die Frucht ihren größten Durchmesser, verjüngt sich nach dem Kelch zu und ver-— läuft nicht so glatt wie die Bosc's Flaschenbirne, sondern zeigt oft einige Falten. In ihrem oberen Drittel hat sie eine starke Einschnürung und geht im Gegensatz zu Bosc's Flaschenbirne nicht glatt in den Stiel über. Vielmehr erscheint der Stiel wie angesetzt. Im Querschnitt ist die Frucht eckig.
Kelch: Offen, in einer kleinen, flachen Einsenkung, die durch die Fleischfalten an ihrer sonst regel- mäßigen Gestalt etwas verliert. Kelchblättchen kurz und zurückgeschlagen mit wolligem Anflug.
Stiel:? Ziemlich lang und dünn, 30— 35 mm lang, meist etwas gekrümmt und holzig, hellbraun und grau punktiert. Der Stiel der Frucht ist infolge einer geringen Fleischverdickung in der Regel etwas seitlich angesetzt und sitzt fast obenauf in ganz flacher Einsenkung.
Schale: Im baumreifen Zustande grünlich-gelb, später hell-zitronengelb und an der Sonnenseite bräun- lich gerötet. Die Frucht ist häufig mit einem zimtfarbigen Rost fast ganz überzogen, an einzelnen Stellen läßt sie den gelben, manchmal auch bronzefarbigen Grundton durchscheinen. Vielfach sind die Rost- punkte zu Figuren zusammengezogen. Die Schale fühlt sich durch diesen Rost rauh an, ist aber sehr dünn und beim Verspeisen der Frucht kaum bemerkbar. Zahlreiche braune Punkte treten deutlich hervor.
Fleisch: Weiß, sehr fein und schmelzend, von köstlicher Würze.
Kernhaus: Klein, mit kleinen Kammern und schmalen, auch häufig unvollkommenen Kernen, von einer schmalen, hohlen Achse durchzogen.
Eigenschaften der Frucht.
Wie die ihr nahe verwandte Bosc's Flaschenbirne zählt die Prinzessin Marianne zu den edelsten Birnensorten für die Tafel. Ihre weinsäuerliche Würze verleiht ihr auch bei den an- spruchsvollsten Liebhabern ein hohes Ansehen, so daß sie stets gern gekauft wird. Sie scheint allerdings ihren feinen Geschmack nicht allenthalben zu entwickeln. Unsere Mitarbeiter vom Rhein bezeichnen sie als eine im Geschmack wenig befriedigende Sorte. Aus Süddeutsch- land fehlt es fast ganz an Berichten, in denen ihr Wert anerkannt wird. Ihre Frucht bleibt gegenüber der Bosc's Flaschenbirne in der Größe wesentlich zurück, und dies trifft ganz besonders zu, wenn die Früchte von älteren Bäumen stammen, an denen sie infolge ihres zu reichen Behanges nur Mittelgröße erlangen. Für den Berliner, Magdeburger und Hamburger Markt ist sie jedenfalls in— folge ihres bronzefarbenen Rostes, der leuchtend durchschimmernden Grundfarbe und ihres ganzen freundlichen Aussehens wegen eine noch gesuchtere Marktsorte als die Bosc's Flaschenbirne. Außer den in der Form und Größe bereits angedeuteten Unterschieden besteht ein besonderes Unterscheidungsmerkmal noch in der Reifezeit, die bei der Prinzessin Marianne früher eintritt als bei der Bosc's Flaschenbirne. Die Frucht bleibt frei von allen Krankheiten. Wenn trotz- dem vereinzelt auf Fusikladium-Befall hingewiesen wird, so ist dies ein Zeichen dafür, daß man ihr einen falschen Standort angewiesen hat. Die Ernte sollte zur Verlängerung der Haltbarkeit vor der vollen Baumreife erfolgen. Es empfiehlt sich, den Versand der Früchte vorzunehmen, Wolange sie noch fest sind, weil ihre dünne Schale empfindlich ist und leicht Eindrücke be-
ommt.
Eigenschaften des Baumes.
In der Jugend zeigen die Stämme der Prinzessin Marianne ein starkes Wachstum. Die ein- jährigen schlanken Ruten haben eine rötliche Färbung mit zahlreichen weißen Punkten, während die Triebe der Bosc's Flaschenbirne kräftiger und gedrungener wachsen und aschgraue Rinden- farbe zeigen. Man verwendet diese Sorte meist nur zur Hoch- und Halbhochstammkultur. Man
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